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tt, Kapitel: Der Buchhandel.
betriebenen Antiquariatshandel herab.^ In Berlin z. B. besaß OttoChrstn. Pfeffer (ursprünglich Kandidat der Theologie) eine Antiquar-konzession, die erst 1697 auf den Buchhandel erweitert wurde; seineHandlung ist übrigens schnell verschwunden.^ Endlich finden wirUniversitätsantiquare, für die auch besondere Ordnungen bestanden. Das„Re^lswsnt vnd Instruction worauff die bey der Universität reci-pirte sogenannte ^nti^narü oder alte Bücher-Händler in ihren Lon-cössionidus zu verweisen" der Universität Halle beschränkte dieAntiquare auf den Verkauf alter gebundener Bücher und Disputationen,gestattete ihnen Verlag und Nachdruck nur unter der Voraussetzung,daß die Hallenser Buchführer ihn ausgeschlagen Hütten; dazu wurde ihneneingeschürft, alle mögliche Präcaution zu gebrauchen und Nachfrage zuhalten, damit sie keine gestohlenen oder sonst verdächtigen Sachen kaufenmöchten, und besonders von unbekannten Knaben und Kindern, Mägdenund alten Trödelweibcrn oder Dienern und Jungen keine Bücher zukaufen oder als Pfand anznnchmcn. Eine andere Klasse von Sortiments-katalogen führt uns eine Litteraturgattung vor, die von nicht wenigen —vielfach von kleinen, auch wandernden — Buchhändlern als Spezialitätgepflegt wurde: die Dissertationen und Disputationen. Der (HataloZusvisski'tationnin item<ink Iraewtnin, Leneüinsumtnrn, ?rograwnm-tum ste. von Joh. Chrstn. Langenheim in Leipzig (8". 1732/49) be-steht aus zwei Teilen mit zusammen etwa 25000 Nummern.
Der Vcrlagskatalog, der ursprünglich gleichsam den Kern gebildethatte, an den sich das Sortiment ankrystallisierte, trat diesen Katalogengegenüber ganz zurück. Eine bemerkenswerte Eigentümlichkeit des da-maligen Buchhandels jedenfalls; eine gute wohl kaum. Denn ist nicht derreine Verlagskatnlog, Jahre nicht nur, sondern Jahrzehnte, womöglichGenerationen umspannend, das beste Dokument persönlichen Pnlsschlags,der Freude über, des Stolzes auf das, was der Verlag der Litteraturgeleistet hat, und der Berechtigung zu solcher Freude und solchem Stolz?Es ist eine Eigentümlichkeit, die die Erwartung, den Grundcharakter derZeit sich überall, so oder so, ausdrücken zu sehen, sogar übertrifft. Istes doch fast, als wenn der Verlag an sich gar nicht recht gewürdigtwürde, sondern nur als Tauschmaterial. Meist handelt es sich gar nichtum Verlagsgcsamtverzeichuisse, sondern nur um einzelne Blätter: Novi-tätenverzeichnisse, die man vor der Messe herstellte, nichts anderes also