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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Bücheranzcigc in Zeitung nnd Journal.

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erfolgende Veröffentlichung gegen jedesmalige besondere Abgabe gestattetwar, wurden die raisonniercnden Büchcranzeigen zu Nutz und Frommendes Buchhandels von dieser Abgabe befreit.^ Besonders die Zeitungs-inhaber, die zugleich dcu Buchhandel betrieben, bedienten sich dieses Ver-triebs- und Reklamcmittels in ausgiebiger Weise. DieNachricht vondenen heute zu Tage Zi^ wocle gewordenen -loniiml-Quartal- und^nnulü-Schriften", Leipzig 1715, bemerkt dabei n. a., daßmancherBuchhändler so neidisch ^ daß wenn ein anderer ein gut Buch in Verlag hat ^ und mit ihm nach seinen plaisir nicht trohuiren ^ (oder nach derBuchhändler Sprache zu reden) nicht elia-ngiren will ^ einen ^vnrimlistenerreget > welcher solches Buch aufs heftigste herunter ^ und dadurch denKäuffer abspenstig zu machen suchet".^ Bald lmrte auch die Censnrihr Angcnmcrk darauf; im Jahre 1742 erhielt Lindinner in Zürich das Verbot, in seinem Wochen-Blätlin schlechte und liederliche Bücherund Romans zum Verlauf autragen zu lassen^, und im Jahre 176t>verordnete Zürich allgemein: daß die Buchdrucker in den wöchentlichenDonnerstags-Nachrichtcn oder eigenen Beiblättern nur ihre eigenen Ver-lagsbücher auuoncicren dürften,der ab der Frömde bekommendenBücher nnd allerhand Tractätlen halber dagegen sich mit ihren halb-jährigen Meß begnügen" sollten.^

Die Leipziger Messe im Centrum; umspült, umbrandet immerkräftiger von den Wogen des zwischenmcssentlichcn Verkehrs, die, denZeitgenossen jetzt noch kaum bemerkbar, an der Unterhöhlnng des per-sönlichen Meßverkchrs arbeiteten; der Bttchcrabsatz, ruhend auf diesemIneinander alt- und neuzeitlichen Systems, betrieben von den verschiedenenMittelpunkten ans am Platze, in der nähern Umgebung, in weitererund weitester Ferne; das ganze Getriebe gestützt aus und durch denMeßkatalog, den Verlags- und Sortimentskatalog, eine bereits hoch-entwickelte gelehrte und buchhändlcrische Bibliographie, das in der Cnt-wickelung begriffene Journal- und Zeitungswcsen: das ist das Schemades Bücherhandels dieser Mittlern Periode.

Neben der Bekanntmachung der Bücher durch Katalog, Journal und

Zeitung gab eS natürlich eine Reihe anderer, vom Buchhändler teils

als Verleger, teils als Sortimenter ausgehender Mittel, den Absatz der

Bücher zu fördern. Sind sie für die Entwicklungsgeschichte des Buch-

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