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6. Kapitel: Ter Buchhandel,
Handels insofern von untergeordneter Bedeutung, als sie mehr oderweniger zu allen Zeiten angewendet worden sind, so dürfen wir sie dochnicht völlig übergehen, wenn wir uns die ganze Thätigkeit des Buch-händlers in dieser Richtung vergegenwärtigen wollen.
Verfolgen wir dabei das Buch von seinem Entstehen an, so kündigtezunächst der Verleger bevorstehende Neuerscheinungen vielfach auch durchAushang am Laden an."2 Die Jahreszahlen nach der Michaelismesseerscheinender Bücher ließ man, um ihnen eine längere Jugend zu ver-leihen, vielfach vordatieren: ein alter Verlcgcrbrauch, deu schon Sigis-mund Feyerabcnd im Jahre 1568 erwähnt. Um nnr ein einziges Bei-spiel aus unserm Zeitraum zu geben, so erschienen zur Michaclismessc1729 Bücher mit dem Erscheinungsjahre 173n in Frankfurt a. M.,Hamburg, Magdeburg, Bremen, Budissin, Dresden, Basel, Halle, Stral-sund, Erfurt, Jena, Breslau, Berlin, Nürnberg, Rcgcnspurg, Arnstadt ,Nordhausen , Cöln. Man druckte auch sogar von vornherein gleich Titel-bogcn mit zwei, ja drei verschiedenen Jahreszahlen, stellte also eineTitelauflage oder mehrere Titelauflagen auf einmal her. Auch davonhatte schon Fcyerabend im 16. Jahrhundert gesprochen,""' Bei Bcsitz-vcränderungcn wurde ebenfalls der gesamte Verlag mit neuen Titeln undJahreszahlen versehen; „wie bräuchlich", heißt es dabei in der Mitte des17. Jahrhunderts.^ Ging das fertige Buch selbst in die Welt hinaus,so trugen vielfach etwa sonst leer bleibende Blätter des Schlußbogcns An-zeigen eigener Verlagsartikel mit hinaus, wie wir das bei der Be-trachtung des Verlagskatalogs schon sahen: auch kurze Geschäftsempfeh-lungcn, so namentlich bei den Musikalicnvcrlcgcrn. ES war das schonvor dem Aufkommen der literarischen Zeitschriften üblich; vorangegangensind auch hierin französische nnd besonders holländische Verleger. Daßdann die Autoren-Freiexemplare vom Buchhändler zugleich als Mittelzur Belebung der Nachfrage betrachtet wurden, hörten wir schon weiteroben. Ein Bamberger Verleger schrieb in den 1660er Jahren, er habeHerrn ^.utuoik „sein (Zuocta", d. h. seine Freiexemplare gegeben, „welchersie an vndterschitliche LoUeZig. vndt Ördtcr verschickt, das werckh damitvorhcro bekandt zu machen, damit wir Witts Gott einen guetcn ?roZre88werdten ^.m«n ^msn" Spcncr nannte die Freiexemplare einmal die„lockvögcl, andere nachzuholen",^ Im 18. Jahrhundert beobachten wirdann, daß der Verleger Freiexemplare auch zur Beförderung der Einführung