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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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neu erschienener Schulbücher verwandte, indem er solche an Schulrettorcnsandte (z. B. von Nürnberg nach Eisenach , 1741).^" Handelte es sich umBücher, die mit Konkurrenzunternehmen zu kämpfen hatten, so machtendie Verleger zuweilen gewaltige Anstrengungen, um die Konkurrenz zuersticken. Als die beiden Leipziger Verleger Weidmann d. Z. und MartiniÜbersetzungen desselben französischen Werkes hatten erscheinen lassen, ver-breitete Martini anonymeUnpartheyischc Gedanken" über beide Über-setzungen,darinnen fürnemlich einige Proben dem Nousieur Weidmannvon den unverantwortlichen Fehlern seiner Übersetzung zu überlegen wohl-meinend übergeben" wurden. Als beide im Jahre 1717 eine Sammlungaller zur Säkularfeier der Reformation erschienenen Schriften planten,verbreitete Weidmann einen Folio-Titelprospckt, auf dessen Rückseite erdas Publikum warnte, sich ja nicht verführen zu lassen,wenn irgendhier oder da eine andere mangelhaffte kieee herauskommen solte", undMartini ließ dagegenin den Häusern und Gewölben", also an Buch-handel und Publikum, ein Flugblatt verteilen, das so wenig fein war,daß die Sensoren zuerst das Imprimatur verweigerten und selbst, nach-dem Änderungen vorgenommen worden waren, ihre Namen nicht unter-schrieben.^ Die Vcrlegerprospcktc betreffend möchten wir namentlichhervorheben, daß sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts solchefinden, in denen Platz zur Einfügung der betreffeuden Sortimentsbuch-handlung gelassen ist; so in einem Avertissement von D. Lobeck inDresden vom Jahre 1721.^ Ging ein Buch schlecht ab, dann tratder Brauch der Titelvcrändcrung (nicht nur der Jahreszahl) in seineRechte. Das ausgehende 18. Jahrhundert ist erfüllt von Klagen undAnklagen über diese Unsitte; aber sie war schon viel früher im Schwänge.Wenn der Diener des Rostockcr Hallervord 1629 sagt: es seinowriumvnd vntcr den Buchdrukcrn vndt Händlern herbracht, wnn eine nmtsrig,in stecken kombtt, das man gemeiniglich den titul vmbdrückett, vndt deJharzahl cndert, damit solch werck nicht vor altt vnd vnwerth geachtetwerden und liegen bleiben möchtte"^, so ist, wie es auch dem be-treffenden Fall entspricht, der Ausdruck: den Titel Umdrucken und dieJahreszahl ändern, wohl tautologisch, mit dem Umdrncken keine sonstigeinhaltliche Veränderung gemeint. Bernhards Kurtzgefaßte cnrieuse Historiederer Gelehrten vom Jahre 1718 aber hat ein besonderes KapitelVonBüchern > welche unter verschiedenen Titulen gedrukt". Die Buchführer,