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6. Kapitel: Der Buchhandel.
sagt er, suchen so von ihrem verlegenen Kram zu kommen und hängenan Stelle des vorigen Schildes eine Mausfalle aus, die auch die Ge-lehrtesten betrügen und fangen kann; und von solcher Bedeutung wardiese Unsitte im Buchhandel, daß Bernhard es als „eine der nothigstenVerrichtungen" der gelehrten Monatsschriften bezeichnet, diesen Betrüge-reien aufzupassen und so die Gelehrten vor Kappen und Schaden zuwarnen.^ Gerade zu Ausgang des 17. und Ansang des 18. Jahr-hunderts muß dieses Unwesen besonders stark um sich gegriffen haben; die„Chnrlatanerie der Buchhandlung" (^1732) meint, es habe nun glücklicher-weise abgenommen. Ein ferneres Versuchsmittel endlich, Büchern, dienicht gehen wollten, auf die Bciue zu helfen, war die Preisherabsetzung,meist auf Zeit, oft auf sehr kurze, und das Anerbieten von Freiexemplarenbei Entnahme mehrerer Exemplare, z. B. 6/5, 11/10, meist unter derBedingung von Barzahlung. Solche Ankündigungen waren in jenen Tagenzuweilen sehr umständlich. Eine Anzeige von Härtung in der Königs-berger Zeitung vom 17. März 1753 hat die folgende Fassung: „Espflegen jezuweilen die besten Bücher wie ins Vergessen zu gcrathen, unddem Verleger, statt des gehofften Nutzeus, eine Last zu werden, welcheihn sörder zu kommen, sehr hinderlich ist. Wie nun ein vernünftigerSchiffer bey anstoßenden Gefährlichkeiten lieber ein Thcil seiner Ladungüber Port wirft, als das gantze Schiff sincken lässet, und deswegen un-geschälten bleibt; so wird auch mir niemand verargen, wenn ich einigeBücher, theils aus meinem Verlage, theils von fremden, welche allzuzahlreich vorhanden, in einem sehr niedrigen Preis zum Verkauf aus-bicthc, und zugleich alle Bücherfreunde, und Kenner meines Zwecks, er-suche, dieses Vortheils sich zu bedienen und andern anzupreisen." Darauffolgten die Titel von 17 Büchern; die Dauer der Preisherabsetzung er-streckte sich bis zum 21. April desselben Jahres; bei Barzahlung wurdeauf zehn Exemplare das elfte gratis gegeben.^
Zwei Formen des Bücherabsatzes aber kamen im letzten Drittel des17. und dem ersten des 18. Jahrhunderts neu aus und haben in uusermganzen Zeitraum — und bis ins 19. Jahrhundert — eine bedeutendeRolle gespielt: die Büchcrauktion und die Bücherlotterie. Die erstcrcnicht nur als Vcrauktionierung hinterlassener Bibliotheken und gebrauchtergebundener Bücher, sondern als Verauktionicrung auch roher Bücherund ganzer Verlags- und Sortimentslager. Das Beispiel gaben auch