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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Titeliindcrung, Preisherabsetzung. Buchercmktivii.

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hier die Holländer, dic Anttionen sowohl veranstalteten, wcnn sie größereBibliotheken erworben hatten, als auch sich ihrer bedienten, nin ihreüberfüllten Lager zu räumen oder ihre Geschäfte aufzuloscu. Als siederartige Verlags- und Sortimeutsauktioncn auf den Frankfurter Messeneinzubürgern suchtcu, setzten ihnen die Frankfurter, dic deutschen Buch-händler überhaupt energischen und erfolgreichen Widerstand entgegen:sie erblickten in der Einführung solcher kaufiuäuuischcr Manieren eineSchädigung des regulären buchhändlcrischcn Geschäfts. Trotzdem ge-wannen sie Eingang. In Sachsen sind sie von dem Leipziger Buch-händler Ehristiau Kirchner"'"' eingeführt worden: er hat, wie er sichselbst ausdrückte, in sächsischen Landenin diesem Actu das Eiß gebrochen".Im Jahre 1670 oder zu Eudc der sechziger Jahre veranstaltete er, nach-dem er Kataloge dazu ausgegeben hatte,nach holländischer arth undweise" die ersten Büchcrmcktionen. Seiner Bittschrift vom 14. April1671 zufolge merkwürdigerweise nicht etwa die ersten Auktionen roherBücher, sondern dic ersten Bücheranktionen überhaupt. Denn es han-delte sich nur um von ihm erkaufte Bibliotheken;woriuueu uoch zu-wcilcu sehr r^i^ Bücher, so soustcn wohl ganz in od^urn geblieben, oderctwan von denen Mäusen wehren gefreßcn worden". Kirchner erstrebteein Monopol auf Büchcrauktioucu unterhalb Sachsens: dies erhielt ernicht, wohl abcr cinc zehnjährige Konzcssion. Die erste Auktion indesals Versteigerung ganzer Lagervorräte ist in der MichacliSmcsse 1671vou dem Vntcr des Philosophen Lcibniz veranstaltet worden.'"' Lcibniz,Professor der Rechte an der Universität Leipzig , war als SchwiegersohnBartcl Voigts des Altern nach einem jahrzehntelangen Prozeß wegen seinesErbteils, auch sonstiger Geldforderungcu halber, endlich mit Teilen desVoigtschcu Sortiments- nnd VerlagSlagcrs abgefunden worden, und dieseBiichcrvorrätc versteigerte cr. DicSämptlichcu Vuchhändlcr" in Leipzig eine spätere Verhandlung spricht nur von dreien suchten zwardurch cinc Eingabe nach Dresden dashöchstschädlichc Wcrck", das daaufkommen wolle, nämlich daßnicht allein gcbnndcne Bücher anctionirctsondern auch mit Uugcbuudcucn dergleichen gcthan" werden solle, znhintertreiben. Es gereichte ihrer Eingabe zufolgezu gäutzlichcn Ver-derb der Buchhandlung"; cS würde dazu kommen, daßkeiu eintzigcrein Buch mchr verlegen köntc" unverfroren setzen sie hinzu: so seies auch in Holland >wo dcr Vcrlagshandcl in höchstcr Blütc stände