348 7- Kapitel: Das bibliopolischc Deutschland ? Absatz, Preis, Nachdruck, Ceusur.
angegebene Preisskala der deutschen Groschcnbibeln so ein, daß sie miteinem Preise von 21 Groschen begannen, dann auf 18 Groschen, weiteraber auf 10 und 9, ja endlich im Jahre 1715 mit der billigsten Aus-gabe auf 6 Groschen herabgingcn. Die Ausgaben mit den beiden erst-genannten Preisen waren die Duodezbibcl vom Jahre 1702 (21 gr.)und die erste „weiße" (21 gr.) und „braune" Ausgabe (18 gr.) derGroßoktavbibcl; eine weitere Verbilligung war zunächst nur möglich,wenn „hohe Personen einem Verleger die Unkosten dazu herschießcnwollen, daß die armen Leute ohne dem Verkäufer einen ?iotit zu gebenzu der gantzen Bibel kommen köntcn". In Carl Hildcbrand Frcihcrrnvon Canstein zu Berlin (1667—1719) fand sich die Persönlichkeit, die,von gleichen Zielen beseelt, mit der nötigen Opfcrwilligkeit ausgerüstetwar und zugleich andere „hohe Personen" zu gewinnen verstand. Nunerst wurde die „Bibelanstalt " gegründet. Druck mit stehenden Letterniwas Franckc und Elers schon vorher ins Auge gesaßt hatten) und Heran-ziehung der christlichen Wohlthätigkeit: dies waren die Hauptpunkte derCansteinschen Vorschläge vom Mai 1710, kraft deren er hoffte, dem Volkedas Neue Testament für 2, eine Handbibel für 6 Groschen schaffen zukönnen; die Grundsätze der Bibelgesellschaften des folgenden Jahrhunderts.Die Schriften sollten jedem, wer es auch sei, zu dem genannten Preise(aber ohne Porto > direkt geliefert werden, „wenn nur nicht damit gehandeltwerde". Es war vorauszusehen, daß das neue Unternehmen in weit-gehendem Maße den Zorn des Buchhandels ans sich ziehen würde. „Um zuverhüten, daß die Lästerungen und das oäinm nicht auf Sie im Waisen-haus möge fallen", erklärte deshalb Canstein, „so wäre etwa gut, wcunich es auf mich nehme; . . indessen, wenn ich die Sache zu stände gebracht,so will Ihnen das ganze Werk hergeben, damit Sic in Wahrheit bezeugenmögen, es gehöre zu Ihren Anstalten und werde es also ein oiuamkiltumdavon." Die ersten Auflagen sowohl des Neuen Testamcuts als derganzen Bibel (beide in 5000 Auflage) wurdcu noch mit abgelegteinSatze hergestellt! die erste Auflage des Testaments, in Kleinduodez, er-schien 1712, die erste der Bibel, in Großoktav, 1713; beide „nebsteiner Vorrede Hrn. Baron Carl Hildebrand v. Canstein. Halle. Zufinde» im Wayscnhause": die ersten „Canstcinbibcln". Der Verkaufs-preis des Testaments betrug 2 Groschen: die billigste aller übrigenAusgaben, diejenige des angesehenen Bibelverlags der Gebrüder Stern