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Kalle begründete und seit 1659 im Besitze des ehemaligen Dieners derHandlung Rupert Völckcr befindliche (die spätere Haude ^ Spcncrschc)und die — als erste und älteste Berliner Buchhandlung — von HansWerner 1594 begründete Handlung, welche letztere aber, seit 1646 imBesitze von Daniel Reichel, seit 1682 den Verlag einstellte und dann,seit 1697 im Besitze von Otto Christian Pseffcr, verschwindet. ImJahre 1688 trat die erste Kupferstich- und Landkartcnhandlung desunternehmenden Buchbindcrmcistcrs Friedrich Vcseneckcr hinzu, der zu-gleich ausdrücklich darauf privilegiert wurde, nicht nur eingebundeneBücher zu verkaufen, sondern auch Bücher zu verlegen und drucken zulassen. Vergeblich suchten Reichel und Völckcr den neuen Konkurrentenabzuschütteln; sie wurden mit dem Bescheide abgewiesen, „daß Sc.Churfürstlichc Durchlaucht mit sondcrbahrcn Mißfallen vernehmen, daßdie Supplikanten die Büchcrprcise so sehr gesteigert und die Käufer aufeine unverantwortliche Weise übersetzt haben." ^ Im Jahre 1693 ent-stand die vierte Buchhandlung in Berlin : die des Heidelberger Buch-führers Joh. Mich. Rüdiger, der nach der Einäscherung Heidelbergshierher auswanderte (die spätere Vossische Buchhandlung!. RupertVölckcrS Sohn Johann aber setzte sich umgekehrt zugleich iu Frankfurt a. 57.fest, gab 1700 die Berliner Handlung auf — sein Buchhnndclsprivilcgkaufte Joh. Chrph. Pape — und verlegte das Stcuumgcschäft ganz nachFrankfurt ; er hat hier, mit der Würde eines Ratsherrn bekleidet, inden Jahren 1693—1714 eine reiche VcrlagSthätigkcit entfaltet (256 Ar-tikel), Buchhandlungen zugleich in Stargard und in Stettin besitzend.Es bestanden so zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Berlin vier, inFrankfurt a. O. mit Conradi drei Buchhandlungen; Druckereien besaßendamals beide Städte je fünf. Was Frankfurt betrifft, so sieht maugerade an Joh. Völckcr recht, wie dicsc Ztadt mit ihren drci Messender Mittelpunkt war, von dem aus das östliche Brandenburg — Rcumartund Pommern — buchhändlcrisch befruchtet, aber auch Schlesien undPolen , teilweise auch Sachsen bestrichen wurden. Völckcr besaß cincschwedisch privilegierte Buchhandlung iu Stettin , brandcnburgisch privi-legierte Buchhandlungen in Crossen, Züllichau und Cottbus und inStargard ; er bewarb sich um Kommissionen seitens mitteldeutscherHandlungen, die den Absatz ihrer Bücher in den genannten Gegendenbefördern wollten; im Jahre 1715 stellte er in einem solchen Falle in
Geschichte des Dcutschc» Buchhandels. II. 23