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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Berlin .

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Vermeidung nachdrücklicher Ahndung zu enthalten". Zu Beginn dervierziger Jahre begegnet er uns indessen als Buchhändler unter eigenerFirma, nach Rüdigers Angabe^'- als reiner Verleger. Auch in dieBuchbinderinnung hatte sich Gädicke eindrängen wollen. Ein gutwilligerMeister nahm ihn formell als Lehrling an; als aber die Innung införmlicher Sitzung auf der Einhaltung der Lehrzeit bestand, ja sogarerklärte: ein Lehrling gehöre während derselben in die Werkstatt seinesMeisters, verließ Gädicke ausgebracht das Gemach, warf die Thürkrachend ins Schloß und begnügte sich mit Beleidigungsklagen. DieRüdiger aber wurden in der jährlichen Produktion alsbald noch über-trumpft von Christoph Gottlieb Nicolai , der, bis dahin Buchhandlungs-diener bei dem Wittenberger Bürgermeister Gottfr. Zimmermann, imJahre 1713 dessen im Jahre 1700 begründete Berliner Filiale als selb-ständige Handlung übernahm (1714/39 292 Artikel); und dieser wurdeabermals überboten von Ambrosius Haude , der, aus einer französischenRefugiefnmilie stammend, 1723 die Papensche Handlung übernahm, undmit dem sich 1739 Joh. Carl Spener , ein Sohn Philipp Jacob Spencrs,des Begründers des Pietismus, verband (1724/39 198 Artikel)." Mitder Geschichte seines Geschäfts ist bereits der künftigegroße König"verknüpft. Haude versorgte den Kronprinzen durch Vermittlung seinesehemaligen französischen Lehrers Duhcm mit klassischer und französischerLitteratur; als der König im Frühjahr 1730 die Bücher, in Tapeten-schränken verborgen, entdeckt hatte und, als der gute Haushalter, derer war, verkaufen ließ, kaufte Haude sie auf und lieferte sie dem Kron-prinzen einzeln zurück. In einem besondern, vom Kronprinzen ge-mieteten Hinterzimmer der Haudeschen Buchhandlung aber stand in ver-schließbaren Schränken die mehrere tausend Bände starke, größtenteilsauf Duhans Vorschläge von Haude und Nicolai beschaffte kronprinzlichePrivatbibliothck:

Und gegenüber von dem SchloßHerr Haude wohnte just;Hatt' ihm ein Stübchen eingerichtet,Da kam der Prinz bei LampenlichtUnd las nach Herzenslust,

singt Karl von Holtet." Nach Gcßner besaßen im Jahre 1740 Bertin

sieben, Frankfurt a. O. fünf Buchdruckereien. Im übrigen Kurvranden-

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