358 7- Kapitel - Das bibliopolische Deutschland ; Absatz, Preis, Nachdruck, Ceusur.
Buchhändlern: vier Buchhändler des numerus elg-usus vrivils^iatns(lulltörn^rin!, und einen Buchhändler, der als suiisrnumkrarius geführtwurde. Diese Ordnung bleibt zwar bis zum Ende unseres Zeitraumsbestehen. Eine Verlagsbedcutung aber hatte nur die Firma der Haller-vord, die in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts aus Rostock nachKönigsberg eingewandert waren, und zwar nur bis zum Tode des„Liuäiws Lidliovoia" Marl . Hallcrvord des Jüngern, 1714; unddie übrigen Handlungen waren so unbedeutend, daß ihre Privilegienschließlich unbenutzt blieben und verfielen; die Eingabe eines Königs-bcrger Buchbinders aus dem Jahre 1745 erwähnt ausdrücklich, daß zurZeit im ganzen Lande nur ein einziger offener Buchladcn sei. Dieserdamals einzige offene Laden war der im Jahre 1722 eröffnete vonChrph. Gottfr. Eckart aus Grimma . Eckart war der erste, der, wennauch nur mit Aufbietung aller Kräfte, wieder vorwärts kam, weil erdas wissenschaftliche Gebiet als sein eigentliches Arbeitsfeld erkannte.Tie starke Konkurrenz auf dem weiteren Gebiete der populären Litteratur,wie wir sie noch näher kennen lernen werden, hat in erster Linie denNieder- und Untergang der übrigen Handlungen herbeigeführt; im Jahre1650 zählte Königsberg neben zwei Buchhändlern und zwei Druckereienzehn Buchbinder, im Jahre 1742, als die Wasser des Königsbergerreinen Buchhandels, wenn der eine Eckart nicht gewesen wäre, fast ver-siegt wären, mußte die Zahl der Meister im Gewerk von zehn auf achtzehnerhöht werden. In den ersten Ncgierungsjahren Friedrichs des Großenentstanden ihm dann neue Konkurrenten; die eine jener Firmen einerneuen Zeit aber hat ihre Wurzeln noch in unserm Zeiträume: es istdie von Joh. Heinr. Härtung aus Erfurt , einem gelernten Buchdrucker,der im Jahre 1734 auf dem nicht ungewöhnlichen Wege der Heirat inden Besitz einer der drei Königsberger Buchdruckcrcien (der erst imJahre 1714 begründeten Stclterschen) gelangte; mit der Buchdruckernverband er von Anbeginn den Verlag; und in der Mitte der vierzigerJahre erwarb er dann dazu Eckarts Buchhandclsprivileg.
Den Knotenpunkt, in dem das brcmdcnburgischc mit den sächsischenGebieten zusammenläuft, bildet das Herzogtum Anhalt. Seine buch-händlerischc Bedeutung hat dieser centralen Lage nicht entsprochen. Wirfinden in Zerbst zu Beginn unseres Zeitraums zunächst den vorhin er-wähnten, im Jahre 1582 begründeten B»tzelschcn Druckcrvcrlag; 1713