366 7. Kapitel: Das bil'liopolischc Deutschland: Absatz, Preis, Nachdruck, Celisur,
Joh. Stein. Nürnberg hatte seit Alters einen Ruf als Sitz hervor-ragender Formschncidcr, Bossicrcr (Wachsbildner) und Kupferstecher, uudes bewährt diesen Ruf auch jetzt. Bei den vielen Kunstmcistern inNürnberg , schrieb Raspe (1743 fg.) später, ließe sich hier gar vieles aus-richten, was anderswo schwerlich zu bewerkstelligen sein möchte: er habein einem halben Jahre mehr als 50 Kupfcrplatten allein für auswärtigeHandlungen stechen lassen, die vielen Platten ungerechnet, die er fürdie eigene Handlung habe anfertigen lassen."" Aus Augsburg undNürnberg bezog Cosmcrovius, vor van Ghelcn der bedeutendste WienerDrucker unseres Zeitraums, seine Typen ^; Michael Fleischmann, derberühmte Schriftschncidcr, der den Silschede in Haarlem siebzig Schriftenschnitt^, war aus Nürnberg gebürtig (geb. 1701). Berühmt war fernerseine Illumination, die gewöhnlich fabrikmäßig von Weibern und Kindernausgeführt wurde'^; auf beiden zusammen beruhte der berühmte Nürn-berger Kunsthandcl mit seinen oft auf das trefflichste illuminiertenKupferwcrkcu, namentlich aus dem Gebiete der Naturgeschichte und Geo-graphie, auf dem erster» wiederum speziell auf dein Felde der Botanik.Das aus 360 Kupfcrtafcln bestehende Großfoliowerk des Umtus Dvstst-teiisis (weil im Auftrage des Eichstätter Fürstbischofs herausgegeben),Nürnberg 1613, 5. Auflage 1750, nannte noch Albrecht von Haller ^('s 1777) „0mnium oxsrum dotlmieornm, citiÄS uactenus izroäisrunt.,Lzzlknäiüissimuru". In den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhundertsbegegnet uns Maria Sibylle Graff, die Tochter Matth. Mcrians d. Ä.als Autorin (Raupenbuch 1679, Blumeubuch 1680), in den ersten des18. waren als Hortologcn und Floristen berühmt Joh. Chrph. v. Volckamer(f 1720; „Nürnbergische Hesperides" 1708, bei Joh. Andr. „Endrcs"sel. Söhnen und Erben, 1713 in lateinischer Übersetzung) und Joh. Georgv. Volckamer (f 1714; Horg. Mi'idsi'Mnsis 1700, bei Michahclles,2. Aufl. 1718, bei P. C. Monath). Es handelte sich aber nicht nurum ganze Werke, sondern um, oft schlecht genug gestochene, einzelneBlätter. Die Herstellungskosten waren trotzdem hoch, dafür war aber auchder Absatz stark. Die Hauptabnehmer waren die zahlreichen italienischenund tiroler Kupferhändlcr, die, man kann fast sagen in ganz Europa damit umherzogen und sie in unglaublichen Mengen absetzten; auch diegroßen Werke verkauften sie in einzelnen Blättern.^ Zu dem Jlluftra-tionsvcrlag kam mit Beginn des 18. Jahrhunderts als eine weitere,