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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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367
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Nünibcra.

durch ganz Deutschland und darüber hinaus berühmte Nürnberger Spe-zialität der Landkartenvcrlag. seitdem die Mcrcatorschcn Kupferplattennach den Niederlanden an Jodocus Hondius verkauft waren, war dieKartographie aus Deutschland vcrschwuudcu. Quadc und Busscmachcr inKöln , die ca. hundert Landkarten herausgegeben haben, gehören eigentlichnoch ins 16. Jahrhundert; von ihnen abgesehen bestand in der ersten Hälftedes 17. Jahrhuudcrts ein fast gänzlicher Mangel deutscher Arbeit auf diesemGebiete; nur Mcrian und die Gebrüder Georg und Conrad Jung vonRothenburg a. T. haben während des Dreißigjährigen Kriegs verschiedeneLandkarten veröffentlicht. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundertsbeginnt dann auch auf diesem Gebiete wieder regeres Leben. Fincksverbesserte Ausgabe von Apians Baiern, Georg Matth. Wischers loxv-Zraxum ^.uslrms, 1672, Valvassors Landcsbcschrcibung von Kärntheu,1688, sind Beispiele dafür. Indessen blieb die Darstellung der nicht-deutschen, größtenteils auch die der deutschen Länder von fremden Ori-ginalkarten abhängig. Es war Nürnberg , in dem sich noch im letztenDrittel des 17. Jahrhunderts die Landkartcnproduttion zu einem besondcrnNebenzweigc des eigentlichen Kupferstichs zu cutwickeln begann. DieKarten des Kupferstechers und Kunsthändlers Jak. v. Sandrart (f 1708)erschienen; neben ihm waren als Landkartcnstcchcr oder -Verleger derKunsthändler David Funck , Johannes Hoffmann und Christoph Riegelthätig. Alle ihre Karten find fast ausschließlich Kopien holländischerOriginale. Da trat Johann Baptista Hamann^ auf, ein schwäbischerKatholik (geb. 1664 im Dorfe Kammlach bei Miudelhcim), dem Würz-burger Dominikanerklosterentsprungen" oder nach seiner eigenen An-gabc darausmit gutcm Willen erlassen", in Nürnberg zum evan-gelischen Glauben übergetreten, zunächst mit Illuminieren von Kupfer-stichen sich kümmerlich durchschlagend, dann, als Notar, seiner Lieblings-ucigung folgend, sich zum Kupferstecher autodidaktisch ausbildend. 1692publizierte er seine erste Landkarte (Das Nürnberger Gebiet"); in Leipzig (Mitte 1696 bis Oktober 1697) stach er die 34 Karten zu ChristophCellarius' XoMm oidis unti(M (1701), in Nürnberg (16991703)die Karten zu Homann-Schcrcrs ^.tlas novus (Augsburg 1710) oderwenigstens einen Teil davon. Er war damals bei Sandrart (wahr-scheinlich 1697/98) und in der Landkartenoffizin Dav. Funcks thätig;er überwarf sich mit Funck nnd gründete 1702 seine eigene Offizin,