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In enger Verbindung stand der Nürnberger Buchhandel mit dernahegelegenen und der Reichsstadt Nürnberg gehörigen Universitäts-stadt (1623—1809) Altdorf.^ Seit etwa 1618 bestand hier dieTaubcrschc Universitätsbuchhandlung. Von den beiden Töchtern des1716 verstorbenen Joh. Daniel Tauber heiratete die eine FriedrichRoth-Scholtz, die andere Benjamin Wedel. Roth-Scholtz führte (seit1718) den Altdorfer Buchladen unter der Firma Taubersche Erbenfort, nachdem er sich damit eingeführt hatte, daß er der Universitäts-bibliothek sämtliche Tauberschen Verlagsartikel und gegen 400 anderegute gebundene Bücher, die ihr mangelten, verehrte. Vom Jahre1719 an führte Bens. Wedel das Geschäft, während Roth-Scholtz die Nürnberger Handlung leitete. Nachdem in den Jahren 1735 und1736 beide verstorben waren, wurden beide Buchhandlungen, dieNürnberger und Altdorfer, von Geo. Christoph Lochner in Nürnberg angekauft, der Altdorfer Buchladcn aber noch im Jahre 1738 anLorenz Schüpfcl weiterverkauft. Neben diesen trat im Jahre 1739als zweiter Altdorfer Buchhändler Vestner. Wie in allen Universi-tätsstädten, so bestand auch in Altdorf ein besonderer Disputations-hcmdcl. Im Jahre 1697 erhielt ihn (nebst privativen: Buchhandel miteigenem Verlag) der Buchdrucker Jobst Will). Kohles, 1726 erschien einAltdorfer Disputationskatalog von Joh. Nik. Bruckner; Bens. Wedelhatte neben dein akademischen zugleich den Disputationshandcl; nachdessen Tode folgte ihm als Disputationshändler der BuchdruckcrgesclleSteph. Grobncr.
Im übrigen Franken erstanden bedeutendere Verleger erst ganz zu
Ende unserer Periode: Joh. Jae. Cndcres in Schwabach (seit 1734),
Joh. Gottl. Wierling in Hos (seit 1735). Heben wir aber hier noch
das, schon zum bayrischen Kreise gehörige, etwa zehn bis elf Stunden
von Nürnberg entfernte Städtchen Sulzbach, die Hauptstadt des damaligen
Herzogtums Sulzbach hervor: deshalb, weil von hier eine gauz ähnliche
Befreiung Deutschlands von der commerciellen Herrschaft Hollands auf
einem Spezialgebiete ausging wie in Nürnberg von Homann: auf dem
Gebiete der hebräischen Litteratur.^ Der tolerante Herzog Christian
August (1641—1708) hatte schon 1664 einem Protestanten ein Druckerei-
privilcg bewilligt; Liebhaber hebräischer Bibliographie, von einer starken
Neigung zur Mystik und Kabbala erfüllt, privilegierte er im Jahre 1669
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