Z72 7. Kapitel: Das bibliopolische Deutschland ; Absatz, Preis, Nachdruck, Censur.
Isaak Kohen, den Sohn eines Prager Setzers, auf den Druck hebräischerBücher; und dessen Nachfolger haben Sulzbach zu der einzigen Stadtgemacht, die hinsichtlich der Volkstümlichkeit und Beliebtheit jüdischerGebetbücher, Maggidim, Mischna-Ausgaben bei den breiten jüdischenVolksmasscn mit Erfolg unmittelbar mit Amsterdam rivalisierte. Dergewerbliche Konkurrenzkampf im jüdischen Buchhandel vollzog sich übrigensin denselben Formen wie innerhalb des deutschen: man suchte sich zu-nächst durch rabbinische Approbationen zu schützen, und aus diesen Appro-bationen wurden allmählich von einem Rabbiner oder mehreren Rab-binern auf eine gewisse Anzahl von (z. B. 12) Iahren erlasseneNachdrucksvcrbotc «beim Talmud meist aus 15 Jahre nach Abschluß desganzen Werks). Ihre Wirkung war, obgleich sie für den Übertreterharte Strafen enthielten «unter denen der persönliche Bann des Sündersoft noch die geringste und erträglichste war), ebenso gut und schlecht wiedie aller andern derartigen Verbote. Im Jahre 1737 erging eine durchSalman Fränkel in Sulzbach veranlaßt» Beschwcrdeschrift seitens Rab -binats und Gemeindeverwaltung Sulzbach an Nabbinat und Gemeinde-verwaltung in Amsterdam wegen eines dortigen Nachdrucks; der Amster-damer Rabbiner erwiderte, es bestehe in Amsterdam eine Tekanah (einfeststehendes Herkommen), nach der Approbationen für bereits früheröfter gedruckte Bücher nicht zu respektieren seien, und der Amsterdamer Gemeindevorsteher stellte das Programm auf: „Hier wird niemand ver-wehrt, zu drucken, was er will"; der Gemeindevorsteher von Sulz-bach replizierte: daß dann Salman in Zukunft gcgcu Amsterdam ingleicher Weise verfahren dürfe und werde.
Wie Nürnberg für den protestantischen, so war Augsburg Vorortund Kommissionsplatz für den katholischen Buchhandel Süddcutschlands.Eine Rolle in der großen mcßfähigcn Verlagsproduktion wie Nürnberg hat Augsburg nicht gespielt; es ging im Gegenteil, während sich Nürn-berg darin außerordentlich günstig entwickelte, hierin stark zurück. Diebedeutendsten Verleger waren zunächst Joh. Weh und, in der Mitteder sechziger Jahre hinzutretend, Gottl. Göbel, beide bis in die achtzigerJahre, dann Lor. Kroniger und Gottl. Göbels Erben, der größte Augs-burger Verlag unseres Zeitraums, 1088—1708 (343 Artikel), und nachihm, im zweiten Jahrzehnt, bedeutender als die Verleger des vergangenenJahrhunderts, aber Kroniger und Göbels Erben nicht erreichend, Panl