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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Sulzbach. Augsburg .

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Kühtz. Erst mit dcm Jahre 1734 tritt wieder ein namhafterer Verlegeraus, Joh. Jac. Lotter. Mit Nürnberg war Augsburg die Hauptpflcge-stätte des Handels mit Kunst- und zeitgeschichtlichen Blättern höhererArt, wie sie damals von so großer Bedeutung waren; Tages- undgeschichtliche Ereignisse betreffende Flugblätter, Portrats, bildliche Dar-stellungen wurden namentlich hier wie in Holland in Mengenauf Spekulation hergestellt; gegen Ende unseres Zeitraums war darindie Schropische Kompagnie in Augsburg besonders berühmt. Einen ähn-lichen Ruf genoß Augsburg in der Buntpapierfabrikation; wie einLeipziger Papierfabrikant im Jahre 1708 sagte, wurden seines WissensGold- und andere gefärbte Papiere" in ganz Deutschland nur inAugsburg und Fürth hergestellt.^ Nürnberg und Augsburg warenauch nach Frankfurt und Wien die hervorragendsten Druckorte Süd-deutschlands. Nürnberg hatte nach Werthcr^ im Jahre 1705 acht Drucke-reien mit 3 Faktoren und 60 Gesellen (die stärkste die Geo. AndreasEndterschc mit 17 Gesellen); im Jahre 1722 hatte es sieben Drucke-reien^, ebenso viel nennt Geßner für das Jahr 1740. Ein Pamphletder Jenaer Drucker vom Jahre 1723 nannte als die vier ansehnlichstenDruckergesellschaftcn im Römischen Reiche: Leipzig, Wittenberg , Augs-burg uud Frankfurt a. M.^ Der Klein- und konfessionell und pro-vinziell spezifizierte Buch- uud Kunsthandel muß in Augsburg ein äußerstlebhafter gewesen sein und in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahr-hunderts eine außerordentliche Steigerung erfahren haben.Hatte esim Jahre 1661 drei und seit Ende der 1660er Jahre bis in denBeginn des 18. Jahrhunderts zwei Buchhändler, so zählte es im Jahre1721 deren elf. Buchdrucker lebten in Augsburg 1653 vier, seit den1660er Jahren fünf; im Jahre 1687 waren es ncuu; in den folgendenzwei Jahrzehnten schwankt die Zahl zwischen acht und elf; im Jahre1709 bestanden zunächst zehn Druckereien uud wurden dazu zwei neuekonzessioniert; von da ab bis zum Jahre 1740 schwankt die Zahl zwischenzwölf und vierzehn; im Jahre 1738 bestanden dreizehn, im Jahre 1740vierzehn Druckereien. Die Zahl der Buchbinder stieg vom Jahre 1653bis zum Jahre 1672 von acht auf dreizehn, vom Jahre 1687 bis zumJahre 1721 von 17 (19?) auf 27; im Jahre 1736 zählte man 36Buchbinder. Und daneben eine Fülle von Bricfmalcrn, Jlluministen,Patronisten: