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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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389
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Anzahl der Buchhändler, Produktionshöhe und Bevölkerungsziffer. Z89

Die Zahl der Buchhandlungen betrügt in den Mcßkatalogcn des Jahres1700 146 und würde proportional der vorhin angegebenen Zahl fürdas Jahr 1700 auf rund 450 zu schätzen sein; das offizielle Adreßbuchdes deutschen Buchhandels verzeichnet für das Jahr 1900 rund 8500Buchhandlungen. Einwohner zahlte das Deutsche Reich im Jahre 190000 Millionen (104 E. auf den Quadratkilometer); im Jahre 1700kamen auf sein heutiges Gebiet 14 Millionen Einwohner (26 E. aufden Quadratkilometer).

Legen wir die in den Katalogen wirklich verzeichnete Firmcnzahl znGrunde, so ergibt sich, daß auf eine Buchhandlung im Jahre 170095890, im Jahre 1900 7057 Einwohner entfielen. Die aus den Meß-katalogen sich ergebende Firmcnzahl ist aber natürlich für diesen Ver-gleich viel zu gering. Würden wir dafür unsere Ziffer 450 'einsetzen,so würde sich ergeben, daß im Jahre 1900 7057, im Jahre 1700!>1000 Einwohner auf eine Buchhaudluug entfielen. Und rechnen wirdie Auflage zu 1000 Exemplaren und denken unö, daß die in den buch-händlcrischcn Ecntralorgancn als im deutschen Sprachgebiet erschienenverzeichneten 951 Tausend rcsp. 25 Millionen Exemplare gleichmäßigunter die Einwohner des heutigen deutschen Reichsgebiets verteilt werdensollten, so würden im Jahre 1700 je 14, im Jahre 1900 je 2 Ein-wohner je mit einem Buche beschenkt worden sein.

So roh diese Vergleiche ihrer schwanken Unterlage gemäß auch sind,so bieten sie doch wenigstens einen ungefähren Anhalt, um die damaligenund heutigen Absatzvcrhältnissc der ordentlichen Buchhandlungen zunächstvom rein numerischen Gesichtspunkte aus miteinander zu vergleichen.Sic ergeben, daß, unr unter dem bezeichneten Gesichtspunkte betrachtetdamals die einzelne Buchhandlung einen viermal größern Kreis zur Ver-fügung hatte und in diesem größern Kreise die gleiche Quantität Büchersich auf ciue siebenmal größere Menschenzahl verteilte.

Viel ähnlicher würde das damalige Verhältnis dem heutigen werden,wenn man nur die städtische Bevölkerung in Betracht zu ziehen suchte.Im Jahre 1900 betrug die städtische Bevölkerung 54,-- °/g der Ge-samtbevölternng des Deutschen Reichs, sodaß bei unserer obigen Ver-teilung je ein Exemplar auf je 1,» städtische Einwohner entfallen würde.Im Jahre 1707 betrug der Anteil der städtischen Bevölkerung in Würt-temberg, einen? der in der städtischen Entwicklung damals vorgeschrit-