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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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390 7- Kapitel: Das bibliopolischc Deutschland ; Absatz, Preis, Nachdruck, Ccnsur,

tensten Gebiete, 25 "/<. (1786: 23 "/), in Kursachsen ^" nach einer An-gabc aus den 1790er Iahren im Jahre 1766 25 "/, ein Verhältnis,das sich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erhalten habe, währendeine andere Quelle für die Mitte der 1790er Jahre nur 14,s "/^ an-setzt. Die Kurmark mit 41 "/ eine Folge der starken EntWickelungBerlins schon im Jahre 1688 und 43 "/ im Jahre 1750 ist eineAusnahme; siir Schlesien kann zu Ende des 18. Jahrhunderts höchstens20 angesetzt werden, für das Großherzogtum Hessen beträgt der Pro-zentsatz im Jahre 1806 erst 24 Nimmt man als durchschnittlichenProzentsatz den von 20 "/^ an, so würden im Jahre 1700, währendbei einem dem heutigen gleichen Verhältnisse je ein Exemplar auf je7,g städtische Einwohner gekommen wäre, ein Exemplar auf je 3,o städtischeEinwohner entfallen sein. Auch diese Zahlen machen aus Genauigkeitkeinen Anspruch. Sic formulieren aber ein Verhältnis, wie es wenigstensannähernd bestanden haben inuß, und lassen annehmen, daß der Unter-schied zwischen der Produktionshöhe unseres Zeitraums und derjenigender Gegenwart so wesentlich ist, daß er die große Kluft zwischen demdamaligen und heutigen Stande der städtischen Eutwickclung hinsichtlichder buchhändlcrischcn Absatzverschiedcnhcit wesentlich vermindert.

Von den 951 Schriften des Jahres 1700 waren 38"/ (359 Schriften)lateinisch geschrieben. Das scheint eine wesentliche Einschränkung derdamaligen buchhändlcrischcn Absatzmöglichkeit darzustellen; aber es scheintauch nur so. Auch'wir heute haben unsere gelehrte Litteratur, die vonkeinem als dem Spcziallehrcndcn und Spcziallcrnendcn gelesen wird.Denken wir uns jene lateinischen Werke deutsch geschrieben- das an sichbedeutet keine wesentliche Erweiterung ihres Absatzgebiets in Deutschland ,wohl aber umgekehrt eine Beeinträchtigung ihres möglichen Absatzes imAuslande. Wurzel und Kern der allmählichen Verminderung der latei-nischen Litteratur bestand ja nicht darin, daß man dasselbe, was manbisher lateinisch gesagt hatte, nun deutsch sagte, sondern darin, daß mansich mehr und mehr an einen weitern Kreis als den jener Spezialistenwandte, und daß man zugleich schreibend mehr nnd mehr anders undanderes sprach. Daher die alte Vorherrschaft der deutschen Sprache indcr Poesie und protestantischen Theologie, die Zunahme der deutschenSprache dann zunächst in der Geschichte, erst dann in der Medizin,