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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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406
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406 Kapitel: Das bibliopolische Deutschland ; Absatz, Preis, Nachdruck, Censur.

wescns, so bemächtigte sich unsolider buchhündlcrischcr Spckulationsgcistauch des Pränumcrationswesens, gegen dessen Ausartung die einschlägigenSchriften mit ganz besonderer Erbitterung zu Felde ziehen. Welchbcaucmcs Mittel, Verlag, dessen man um jeden Preis bedurfte, gleich vonvornherein auf Kosten des Publikums drucken zu lassen!Wären diepraknumerittionöL nicht eingeführt," schrieb ein Coburger Gymnasial-profcssor 1740^,so würden wir fast gar kein grosses Werk mehr zusehen bekommen." Und gerade das war ein Durchbrechen der bestehendenOrganisation: die Pränumerationseremplarc kamen nicht in den Mcß-vcrkehr; die Pränumcrationssammlung wurde großenteils den Händender Nichtbuchhäudlcr überlassen. Auf einer Pränumcrationsanzcige CarlFriedr. Jungnicols, Buchdruckers und Buchhändlers in Erfurt , auf eineneue Ausgabe von Joh. Arnds Wahrem Christcnthum und Paradics-gärtlein vom Jahre 1734^° sind 94 Pränumcrationssammlcr (in 88Orten) angegeben. Davon sind 43 als Buchhändler und 4 als Buch-binder bezeichnet; 10 Personen, bei denen kein Beruf angegeben ist, sindvielleicht mehr oder weniger den Buchhändlern zuzuzählen, da uns zweidavon als solche bekannt sind; die übrigen sind 1 königl. Adreßvcrwaltcr,15 Doktoren, Avothekcrgehülfen, Chirurgen, Assessoren, Steuer- undAcciscinnchmer, Professoren, Magister, Inspektoren, Handels- und Kcmf-lcute und 21 Geistliche. Die Zahl der nichtbuchhändlcrischen Sammlerbetrug also sicher 33 "/. Nur zu häufig wurden die Pränumcrations-termine nicht eingehalten: mehr Teilnehmer sollten herbeigelockt werden,die Gelder wurden mittlerweile anderweit verwendet; Zusagen, nach Er-scheinen des Werks für die nicht pränumerierten Eremplare einen höhernPreis eintreten zu lassen, wurden nicht gehalten: Johann Brandmüllcrverpflichtete sich in der Subskriptionsanzcigc einer achtbändigen Nach-drucksausgabe von HübnerS Historisch-geographischem Lexikon >6 BändeNachdruck nebst zwei neuen Snpplementbänden) zu einer Satisfaktionvon hundert Dukaten, wenn ihm nachgewiesen würde, daß er nach Vcr-fluß des SubskriptionStcrmins ein einziges Exemplar unter dem Laden-preise von 27 Gulden abgegeben habe (während der Subskriptionspreis19 fl. 30 Kr. betrug, wovon 10 sl. bei der Subskription, das übrigebei Lieferung der drei ersten Bände zahlbare.Nur zu oft stand dieAusstattung in Widerspruch zu den verlockenden Verheißungen uud vorherversandten Proben; ja es begegnete, daß der Unternehmer erklärte, das