408 ^- Kapitel: Das bibliopolische Deutschland ; Absatz, Preis, Nachdruck, Censur.
ruiuiretc", so daß „kciu ehrlicher Mann neben ihm bestehen" konnte!Der Jenaischc Marketender aber kaufte sich die Hermsdorfischc Buch-handlung in Frankfurt . Als er sich deshalb im Januar 1716 in derStadt aufhielt, erhielt er aus Jena die Nachricht, daß aus Erfurt zweiLsrnlmrdi «iim'a verlangt würden, und er kaufte deshalb fünf Exemplaredavon bei einem Buchhändler aus Paris . Wie er sie aber mit seinemDiener ins Logis tragen wollte, wurde er auf Anstiften einiger Frank-furter Buchhändler von deren Dienern auf offener Straße angefallen;ein „großes Auflaufen" geschieht; herbeigeeilte Bürger ergreifen feinePartei; man wird handgemein; die Frankfurter BuchhandelSdicner wärenübel traktiert worden, wenn sie nicht rctiricrt wären — zwei Exemplareder Opern, die sie Böttichcrs Diener aus den Händen gerissen hatten,uuter den Armen. Bötticher klagte, wurde aber unter Hinweis auf dasan ihn ergangene verbot abgewiesen nnd aufgefordert, auch die anderndrei Exemplare als dem Rate hcimgcsallen abzuliefern. Bötticher, dergerade die Lki'nlmrcki oiierg. gar nicht in Frankfurt hatte verkaufenwollen und doppelt aufgebracht deshalb, weil man den Pariser Buch-händler selbst in Frieden ließ, wandte sich um Intervention an seinenHerzog, und auf diese hin wurden ihm die beiden Exemplare zurückgestellt.Im Juni 171K eine dritte Eingabe der Frankfurter gegen Bötticher,im November 1717 eine vierte gegcu ihn, König aus Basel undSchöpfer aus St. Gallen . Den ganzen Sommer hindurch hatten siesich in Frankfurt aufgehalten; der umsichtige Bötticher hatte sich iu demder StadtgcrichtSbartcit uicht uutcrworfcncu Antoniterhof eingemietet,sich darin Stnbcn, Küche, Kammer und Pferdeställe eingerichtet undlegte sich darin in zwei Böden in aller Ruhe sein „Bücherstapel undMagazin" an. Wie in Frankfnrt, so hatte er in Heidelberg, Mainz ,Worms, Hanau, Dannstadt, Fulda, Marburg, Gießen, Wetzlar undSpeicr seine „beständige Handlung". Rastlos das ganze Land durch-streichend, nahm er den Frankfurtern „alle t'm'i'ö8i»0iiclsneö umb dasigcgcgcud gantz und gnr hinweg". Er hielt eine ganze Schar von „Knechten"und ließ die Bücher „durch seine Thüringische Bauers Knechte allerOrthcn Hausiren tragen" und bei „Tag und Abendzeit heimlich iu dieHäuser schleppen". In Mcßzcitcn hielt er an vier verschiedenen Ortenin Frankfurt feil und ließ noch dazu, „wie Marktschreier, Eomcdiantcn,Zeiltänzer u. dergl. Gesindel thun," an allen Ecken und Enden der