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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Widerstand gegen neue Handlungen. Buchhändlcrbildnng, Standesbcwußtscin. -1 11

looscn Zeiten zu «ztiv'olircn." Es sei vorauszusehen, daß er sich hinterdie Juden stcckcu müsse und alle, die mit ihm in Verbindung getretensein würden, in den Strudel hineinziehen werde. Im übrigen habe ereinmal einen Prinzipal ohne Abschied verlassen, auf dessen Eonto Geldaufgenommen, von Einer hohen Kaiserlichen Kommission unverantwortlicheDinge geredet, ja in seinem Pulte hätten sich dem kaiserlichen Patentevom 18. Juni 1715 zuwiderlaufende Zeichnungen gefunden. Aberes sind andere Punkte, auf die wir hier uusere Aufmerksamkeit zu richtenhaben: das Eindringen nicht fachmännisch erzogener und gebildeter Elementein den Buchhandel und die Übung unsoliden Geschäftsbetriebs gerade vonihrer Seite. Wie der Buchhandel eine besondere uud eigentümliche Ver-schmelzung materieller und ideeller Ziele darstellt, eine eigenartigeMittelstellung zwischen kaufmännischem und littcrarischcm Wesen ein-nimmt: so schwebt auch der Buchhändler, ein anderer Ikarus, in der Mittezwischen den zwei Welten des Kaufmanns und des Gelehrten. Nicht ohneInteresse sind nach dieser Richtung so manche zeitgenössische Nekrologe.Die Leichenprcdigtcn z. B. hatten einen auf die eigentliche Predigtfolgenden besonder» Teil, der über die Personalien handelte. Da ist esdenn merkwürdig, wie zuweilen die guten Lcichcnpredigcr den Gegenstandihrer Pcroration gewöhnlich doch auf Grund der von den Hintcr-lasscncn ihnen gegebenen Unterlagen für seinen Stand gewissermaßenentschuldigen. Der selig Entschlafene war ein großes Licht ans derSchulbank, zum Studium bestimmt, vielleicht schon auf der Universität:da starb leider der Herr Vater oder ein reicher Oheim, und nnn mnßteder Jüngling, um der Gelehrsamkeit doch möglichst nahe zn bleiben, sichmit dem Buchhandel begnügend" Auch von I. L. Gleditsch z. B. heißtes, daß er leider durch den frühen Tod des Vaters am Studieren ver-hindert und den Buchhandel zu ergreifen gezwungen worden sei. Warnnn auch gewiß oft genug das kinderreiche evangelische Pfarrhaus, demauch ein Weidmann entstammte, die rechte Verbindung gelehrter Inter-essen mit gottseliger Armut: so sind doch gerade aus den ärmlichstenVerhältnissen heraus deutsche Gelehrte erwachsen, und ein BruderI. L. GleditschS selbst wurde Professor in Frankfurt a. O. Wir legenkein Gewicht ans diese Dinge das Entscheidende dabei war znletztdoch überall eine besondere Richtung der Bcanlngnug, die sich zwarder Sphäre der Gelehrsamkeit zuneigte, aber doch nicht einseitig und