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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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412 7- Kapitel: Da-Z bibliopolischc Deutschland ; Absatz, Preis, Nachdruck, Censur.

kräftig genug war, um sich ganz der reinen Theorie in die Arme zuwerfen; die allgemeine Thatsache aber, woraus diese vereinzelten Zügenur ihr besonderes Licht werfen, ist die, daß der Buchhändler sich aufdas energischste als Angehöriger einer höhcrn, in das Gelehrtenwesenhineinragenden Klasse von allen andern Händlern unterschied. Das warnicht nur seine, sondern die allgemeine uud offizielle Anschauuug. Ge-lehrtcugewerbe und Buchgewerbe sind von jeher cmfS allcrfesteste zu-sammcugcschinicdet gewesen. Unsere ältesten Adreßbüchlcin verzeichnenzuerst nur die Behörden und öffentlichen Anstalten mit ihrem Personal.Da finden sich zunächst dort, wo das Buchgewerbe der Universität unter-stellt war, die Buchhändler und Buchdrucker mit aufgeführt uuter derÜberschrift:Zur I^ittsiütur gehörige."^ Wie dann die übrige Bürger-schaft allmählich in die Adreßbücher einrückte, da wurden zunächst dieBuchhändler uud Buchdrucker aufgenommen (während sich die Buchbinderzunächst mit der allgemeinen Angabe ihrer Zahl begnügen mußten);durch das ganze 18. Jahrhundert aber stehen z. B. in Leipzig die Buch-händler in erster Rubrik an der Spitze der Bürgerschaft, und erst nachihnen folgt in zweiter Rubrik dieKaufmannschaft". Dem entsprachdie angesehene Stellung, die in den einzelnen Städten die hervorragendenBuchhändler einnahmen; Ratsherr und Bürgermeister wir habenweiter oben Beispiele dazu kennen gelernt sind so manche gewesen;unter den Wittenberge Bürgermeistern unseres Zeitraums befindensich drei Buchhändler (Joh. Berger, Joh. Ludw. Queustüdt derersteOberbürgermeister" Wittenbergs und Chrstn. Gottl. Ludewig)und der Buchdrucker Hiob Witt). Fincelius.i" Unser Zeitraum istaber überhaupt der einer außerordentlichen Steigerung buchhändlcrischcnStandesbewußtseins. Werden wir im letzten Drittel des 18. Jahr-hunderts den Buchhandel in das volle Licht neuzeitlichen Bewußtseinsgetaucht erblicken, in dem dem Buchhändler die ganze Welt des Buch-handels mit all ihren Fragen und Klagen zum Problem wurde: hier,um die Wende des 17. Jahrhunderts etwa beginnend, liegt, nachden leiscrn Anfängen älterer Zeit, die wir gelegentlich beobachtethaben, der Beginn einer solchen Bewußtseiusstcigcrung. Wie hat derGelehrte die Nase gerümpft über dieWindmachcrcy der NürnbcrgischcnBuchhändler-Diener", die ihre Portraitsder Nach-Wclt eonsörvirsn"wollten!