Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
414
Einzelbild herunterladen
 

414 Kapitel: Das bibliopolische Deutschland ; Absatz, Preis, Nachdruck, Censur,

Worauf die Buchhändler schon seit dein 16. Jahrhundert hingewiesenhatten, und worauf sie nun mit immer stärkerer Dringlichkeit und stnrkermSelbstbewußtsein hinwiesen, das war die Notwendigkeit der Fachbildung.Nun war aber jeder Buchhändler damals Sortimcntshändler, und auchunsere größten Verleger damaliger Zeit haben von der Pike auf alsLadcnjungcn gedient. Die Lehrzeit begann aber durchschnittlich mit dem14. Lebensjahre, ja noch früher. Als sich im Jahre 1709 der vier-uudzwanzigjährigc Hocker in Frankfurt a. M. niederlassen wollte, teilteer (Herbstmesse 1709) mit, er sei acht Jahre Lehrjunge bei Oehrlingin Frankfurt a. M., dann zwei Jahre Diener bei demselben, daraufanderthalb Jahre Diener bei Beyerlein in Ulm und zuletzt wiederumzwei Jahre bei Oehrling gewesen^"; er muß die Lehrzeit also zur Oster-mcssc 1696, in seinem elften Lebensjahre, begonnen haben. Wie konntedabei von irgendwelcher weitcrn und ticfcrn Borbildung die Rede sein?Es konnte sich nur um die nötigste Kenntnis der lateinischen Elcmcntar-grammatik handeln^, und Wissen und Können des Buchhändlers ent-sproß unmittelbar dem fruchtbaren Bodcu der Praxis. Er wuchs in diebuchhündlcrische Bcherrschuug der lateinischen und französischen Sprachehinein, er lernte mit fremder Münze umgehen, er lernte Mcßrcgister,Journal, Hauptbücher und Bilanzen führen.Der Buchhandel selbsthat dieErfahrung in Sprachen" als dringendes Erfordernis des Buch-händlers andern Zweigen gegenüber sehr kräftig und selbstbewußt ans-gesprochen. Jäcklin in München war Buchdrucker und hatte sich erstnachher auch auf den Buchhandel geworfen. Dazu sagte im Jahre 1700die l^eldcrschc Wittib: daß seine Handlungeben darnmb auch außmcmgcl der Wissenschaft und vor allen hochnöthigeu Sprachen nit rechtmehr gehen" wolle, denn dieErfahrung in Sprachen" seigerade beidiesem Handelszweige schon iiroxter suDuru i><zri<m1um der nit !>»-t>d.kntisch: büecher zum allcrnothwcndigstcn", und alle diejenigen, welche inSprachen, vnd anderen grossen Wissenschaften" nicht erfahren seien, solleman billigmit allen Stimplcrn, bucchtragcrn, nnd dergleichen ab-schaffen". Die Buchhündlersöhne gutsituierter Firmen genossen eine sehrsorgfältige Ausbildung. Wie vielseitig, ganz im Stile damaliger Kavaliers-erzichung, sie in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war, wie früh-zeitig der künftige Prinzipal aber auch schon selbständig ins Geschirr mußte,mag uns ein Nürnberger Beispiel zeigen. Der im Jahre 1715 geborene