41N 7. Kapitel: Das bibliopolische Deutschland ; Absatz, Preis, Nachdruck, Censur.
Profession haben sie verlassen. Ihr unartiges leben hat ihnen beynahe alle mittel, in der wclt fortzukommen, beschnitten. Der bnch-handcl, eine fache, die sie noch weniger als alles andere verstehen,soll die letzte Zuflucht ihres auskommcns sehn." Bcrdorbene Magistri und Liccntiatcn Mcdieinä, die neben ihren Pillen Bücher verkaufen undsogar fremde Bücher verlegen, halb oder gar unstudirtc studcuteu, ver-dorbene Muscnsohnc und guacksalbcr, allzu ehr- und gcldgcitzigc buch-druckcr, aus ihrer zunfft gestoßene buchdruckcrgcsellcn uud verlauffcucbuchdruckerjungcu, die in den Häusern und aus den Studentenbudenherumtrödeln, sallit wordene kauffleutc, liederliche kauffdicner, ungeschicktekupfscrdrücker, armsccligc schncidcr, Herrn- und ehrlose laguaien, Kutscherwollen bey der aus noth erwchltcn buchhandlung glöcklich, reich undehrlich werden; so heißt es in verschiedenen Schriften aus den dreißigerJahren. Die beiden Hauptvoraussetzuugcn zum Betrieb des „kostbahrcnbuchhaudcls" fehlen ihnen: Ausbildung und vermögen. Deshalb allerlei„sinnreiche List und Bosheit": man nimmt Bücher auf Kredit oderweiß sie „um einen Dudcy" an sich zu bringen und verschleudert sieum den halben Preis — das Publikum beruft sich dem Buchhändlergegenüber auf ihre billigem Preise; bleibt die Zahlung schuldig; verlegtärgerliche und schändliche Schriften. „Gesellet sich zu der thorheit imwillen einige lcbhafftigkcit des Verstandes; verfällt man ans allerhandwinomachcrische Projekte. . . Schändliche laster sind es nichtswürdigerstümpcr, chrvcrgcßcncr störer, niederträchtiger trödlcr und Hausierer, ver-wegener projcktmachcr." Schriftsteller, Buchhändler und Buchbinderwaren im Kampfe gegen die Aftcrbuchhändlcr einig; die beiden lctztcrnbesonders in den Hauptstättcn littcrarisch^buchhändlcrischcr Betriebsamkeit,in denen sich diese Erscheinungen naturgemäß am aufsälligstcu zeigten(Klage der Leipziger Buchbinderinnung 1720, Weidmanns nomine allerLeipziger Buchhändler 1731).^ Hier und da tauchen einzelne solcherPersönlichkeiten, die Wohl einen besonders schwunghaften Betrieb in Gongbrachten, mit Namen auf: ein Schneidermeister in Altona , ein Glaser-mcistcr in Frankfurt a. O., ein Pcrüquier in Königsberg, der ältereund neuere Werke aus allen Wissenschaften mehrfach empfahl; in denKönigsbcrgischen Nachrichten zeigte 1738 ein Trödler Bücher und alteSachen, seit dem Jahre 1759 ciu Händler mit französischem Namenmehrfach französische Confiturcn, Lhokoladcn, Dan de 1l>. Reine, eng-