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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
436
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7- Kapitel: Das biblwpolische Deutschland ; Absatz, Preis, Nachdruck, Censur,

so zeigt die zweite Hälfte des uns hier beschäftigenden Zeitraums dasallmähliche Ansteigen zu der Hohe jenes eigentlichen NachdrnckSzcitaltcrshinan; und diese aussteigende Kurve bezeichnet denn die veränderliche,erst in der Entwickclung begriffene, mit den neuzeitlichen Elementen aufsfesteste verbundene Seite der Nachdrucksgcschichte unseres Zeitraums.Neben dem Hochwild gangbarster schwerer und leichterer Originallitteraturhöherer Stufe aber, wcun wir so sagen dürfen, bewegten sich die großenScharen des Getiers der Niedern Jagd. Tic Nachdrucks- und Kon-kurrenzverhältnisse ans dem Gebiete der Klein- und Brotlitteratur, derAusgaben für Schule und Kirche, der Kalender usw. nehmen einenaußerordentlich großen Raum ein. Schon ein Blick auf kaiserliche Jn-sinuationöprototolle''^ zeigt das. Unter den 39 Büchern z. B., derenkaiserliche Privilegien in der Frankfurter Herbstmesse 1742 insinuiertwurden, befinden sich 14 Schul- und Gebetbücher, 12 Kalender, 2 Schriftenvon Cochem , eine Schrift von Joh. Arnd, eine Zeitung; unter den 29insinuierten Privilcgwerkcn der Frühjahrsmesse 1744 finden sich 8 Schul-und Gebetbücher, 3 Kalender, 2 Schriften von Cochem, Thomas' a KempiS Nachfolge", eine Zeitung, dasTitel- uud 'Nahmen Büchlein" einesKölnischen Buchbinders. In welchen hohen und zahlreiche» Auflagenwurde solche Ättcratur aber auch verbreitet! Peter Langenberg in Köln hatte ein Kavuzincrprivilcg auf Cochems St. Gertrauden- und Gebet-büchlcin vom Jahre 1739, während Joh. Odenthal, ebenfalls in Köln ,ein ?t'ivilsgium e688tuu Joh. Melchior Bmeards auf sich hatte über-tragen lassen und von den Kapuzinern einenSchein" erhielt, der ihnbevollmächtigte, noch 3000 Cremvlare davon in 18" aufzulegen. Natür-lich verlangte Langenberg zn wissen, wieviel Cremvlare Odenthal vorherbereits gehabt habe. Cs ergab sich dabei der folgende von früher nochvorhandene Vorrat: 2000 in 8" ganze, 800 in 18» ganze Kleine, 2000in 18" in Cicero, 1500 in 18" in Mittelschrift und 2000 in 24".'^"Der Anteil der Ccnsursachen mag in den Wiener Rcichshofratsakteuder crstcn vicr bis fünf Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts etwa 5 bis10 Prozent, der Anteil der Pflichtexemplarsachcn etwa 40 bis 45 undderjenige der Nachdruckssachcn etwa 50 Prozent ausmachen; bei diesenletzter« handelt es sich aber in der weit überwiegenden Zahl nicht umNachdrnck im modernen Sinne, sondern um Konkurrenzausgabcn. Daklagt z. B. ein Kölner Verleger gegen einen andern, weil der letztere