Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
437
Einzelbild herunterladen
 

Nachdruck und Konkurrenz. Interterritorialer Rechtsschutz.

437

mit kaiserlichem Privileg einen französischen Xovns appiiistus Vir^ilisnachgedruckt hat, während er selbst mit kaiserlichem Privileg ein XovumKxnnn^luoi'um I?x>it,d<zt,oi'Uw et ?tn'Ä8ium ?<xztioliinrn tl>6K«urmnverlegt habe, im ^Mi'atus aber nicht wenige deutsche Wörter sich be-fänden, die mit solchen im ^Kesanrus übereinkamen; das Kommissariaturteilte, daß kein Nachdruck vorliege. Oder es handelte sich um einmehrsprachliches Wörterbuch. Em solches war z. B. Zunnerscher Verlag,und Varrentrapp in Frankfurt und Servas Nöthen in Köln hatten dieAbsicht, ein Konkurrenzunternehmen ins Leben zu rufen. Nöthen, umder Konkurrenz vorzubeugen, drohte Varrentrapp, ihn wegen Nachdrucksanzuzeigen. Varrentrapp aber gab zurück, Nöthen solle sich doch jahüten, sich nicht selber die Finger zu verbrennen: bei ihm, Varrentrapp,handle es sich durchaus um keinenNachdruck", wie schon das von ihmveröffentlichte Programm zeige, auch habe er drei neue Autoren für seinUnternehmen gewonnen. Nöthen aber produzierte alsbald ein kaiser-liches Privileg. Varrentrapp erklärte demgegenüber, das Privileg geheklar und deutlich auf des Vcneroni von Castelli vermehrtes Dictionarium,verbiete aber Gelehrten oder Buchhändlern durchaus nicht,gantz ncncWörter-Bücher zu versaßen und zu drucken". Neben den Klagen, diesolche und ähnliche Atteratnrgattnngcn betreffen, nimmt einen großenRaum z. B. der Kalendcrdruck ein. Ost handelt es sich dabei um dieBerechtigung, einen Kalenderadler oder andere Zeichen aufzudrucken,oder darum, ob auf dem Titel das WortHaupt" zugesetzt werdendürfe. Das waren Dinge, die auch in den Territorien eine außer-ordentlich große Rolle spielten. Alle diese und ihnen ähnliche Klagenwerden ohne große Aufregung vorgebracht und verhandelt und zeigenim ganzen weder eine Ab- noch eine Zunahme; wie das Plätschern einesgleichmäßig dahiurinncndcn BächleinS begleiten sie den, der die Wan-derung durch die Gefilde der Nachdrncksgeschichtc unternimmt.

Die Territorien boten gegen auswärtigen Nachdruck zuweilen nichteinmal die Hand zur Intervention. Als Ioh. Andreas Seiz in Nürn-berg die kurbayrische Regierung im Jahre 1732 um Hilfe gegen denkaiserlich privilegierten österreichischen Nachdruck eines seiner kurbayrischprivilegierten VcrlagSnrtikel bat, wurde er beschicken'^", er habe sichmit seinem NeknrS an den RcichShofrat zn wenden, da Bayern nichtim Stande sei, denVerschleiß in dem Römischen Reich zn hemmen";