Rcincr Verlag. Bcirvcrkchr,
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den Buchhandel gleichsam ohne Geld, mindestens mit möglichst wenigGeld und möglichst langen Zahlungszielen zu betreiben. Erwerb undHerstellung eines Werks oder Werkchens mit möglichst geringen Kostenund auf Kredit; Eintausch fremden Verlags, womöglich bessern, als dereigene war; Zahlung aus dem Absatzgcwinn, an den t>hangckollcgcnüberhaupt nie eine Geldzahlung, der Autor mit Frcicrcmplaren, derDrucker womöglich ebenfalls mit Büchern befriedigt, wie es ja so hänsigvorkann so war dieses Ideal beschaffen. Aus jeden Fall aber war derChangehandcl billiger. Deshalb stets ein Murren gegen den Rechnungs-,vollends gegen den Barvcrtchr; darum der Sortimcntshandcl immer aufdem Sprunge, sich für Barbczug durch willkürliche Preiserhöhung zuentschädigen. Leipziger Verleger gaben in den zwanziger, dreißiger Jahrendeö 18. Jahrhunderts einzelne Artikel nur gegen bar; die Leipziger Buch-händler erklärten dazu in wiederholten Fällen: deshalb „belege sich"niemand von ihnen damit."'^ Und die Großen, wenn ihnen von andrerSeite dasselbe begegnete, ärgerten sich des nicht weniger; wir wissen esvon Weidmann her. Wir erinnern uns aber auch, mit welcher Unver-frorenheit er darauf mit der Veranstaltung von Nachdrucken isogar sächsischprivilegierter Bücher» antwortete, damit antwortete aus ihm irgend nichtanstehende Bezugsbedingungen überhaupt. Er war dariu uicht der einzige,und Buchhändler, die die Zeichen der Zeit zu deuten verstanden, sahenund sagten schon damals die verhängnisvollen Wirkungen der sich an-bahnenden geschäftlichen Veränderungen voraus. ElcrS in Halle ('s 1728)wies den oben erwähnten Gedanken, die „Sortimente abzuschaffen", aufdas entschiedenste zurück. „Wenn die Buchhändler den Verlag nichtmehr gegen Bücher empfangen", sagte er, „werden sie auf alle Wegesuchen, denselben nachzudrucken." Er führte das Beispiel eines LcmgocrBuchhändlers an, der dem Waisenhaus sogar schon deshalb, weil ereinen Artikel „so geschwinde nicht haben" konnte, drohte: in Lemgo wären auch Lettern, die es zu drucken vermöchten. „Wie viel mehr",schloß Clers, „würden sie so frech sehn, wo sie keine Hoffnung Hütten,ohne Geld es zu erhalten!"^
Das alles waren Ursachen, Wirkungen, Rückwirkungen, wie sie ansich überall sich abspielen konnten und auch abspielten, in Leipzig so gutwie in Frankfurt a. M., in Nürnberg so gut wie iu Halle, in Berlin so gut wie in Zürich . Ihren besondern, für die Geschichte des deutschen
Geschichte des Tcutschen Buchhandels. II- -ö