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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Pechaltcn cvauaclischcr Staaten acjicnüber dem Kaiser. Politische Censue. 4lZ1

verkauft, abermals neu aufgelegt wurden, ließ man, 10. Sept. 1737,eine nochmalige Porstellung -vcl ^uZuslissimnm ergehen. Was denmmlns combustionis per carnitieem betraf, so walteten noch immerdie schon 1726 hervorgehobenen Bedenken wegen der gesteigerten Rcli-giouodiffercuzeu ob, um so mehr, dadem Kayscrl. Hof empfindlichgefallen", daß man im ersten Schreiben davon gesprochen und sichauf diesfalls habende Befugnisse bezogen hatte. Indes stellte man nunbei abermaliger Erfolglosigkeit der Vorstellung Reeursns lul <üm-M»»!MMÜ<'M'nm in (üomitiis in Aussicht.^'

Das 17. Jahrhundert war das Jahrhundert der theologischen Ccnsur.Theologisch in doppelter Bedeutung: als Herrschaft der Theologie uudder Theologe». In den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts werdenwir uns im Zeitalter der vollen staatlich-politischen Ccnsnr finden. Inden katholischen Andern war naturgemäß die Herrschaft der Theologieviel kräftiger und viel fester gewurzelt als in den evangelischen; trotz-dem ist auch hier der Übergang von der theologischen zur staatlich-politischen Censur bemerkbar.

Bei der politischen Ccnsur unseres Zeitraums ist nicht an denschweren Druck zu denken, unter dem in spätcrn Zeiten gewaltiger Er-regung, Gärung und Umwälzung die Geister gestanden haben. Diepolitische Ccnsur jener Zeit war ganz andern Charakters. Sic warnicht der Ausfluß eines heftigen und fanatischen Kampfes gegen dasfreie und neue Wort, sondern die Wirkung eines gleichmäßig und be-ständig wirkenden Druckes, der in seiner Gleichmäßigkeit und bei dernoch geringer» Reibung der Geister verhältnismäßig wenig empfundenwurde. Heute führen ganze Staaten, die sich in Waffen gerüstet gegen-überstehen, gegeneinander Bücher-, Broschüren- und Zcitungskricgc, unsereleitenden Persönlichkeiten müssen sich der öffentlichen Kritik unterziehen,und es gibt im weitesten Bereiche öffentlichen Lebens leinen Vorgangund keinen Gedanken, der nicht ans Vicht der Öffentlichkeit gezogenwürde. Damals befand sich jeder Staat und jedes Stätchen, jedeStadt und jedes Städtchen im Zustande chronischer Empfindlichkeit undÄngstlichkeit, und in Dingen seinerhohen Jura", politischer Rücksicht-nahme, iit Dingen des Staats- und Stadtrechts, der Staats- undStadtgcschichtc u. dcrgl. ließ keine Behörde mit sich spaßen. Hierhergehört vor allem der Stand der Unmündigkeit, in dein man die Zeitungen