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sein, daß der GencralVFiseal, der durch unzählige andere Verrichtungendistrahiret ist, die große Menge Bücher, welche sonderlich in Meßzeitenzu 40 bis 50 Centner nur vor Einen Berlinischen Buchführcr miteinmal ankommen, in Zeit von 8 Tagen, wenn er auch keiue Minuteverlöre, nur dem Titul nach durchsehen und sein viciewr, ob das Buchgute oder schlimme prineixili enthalte, geben könne?" Ein Kollegiumvon zwauzig Gcncralfiskalen wäre nicht genug, um die Inspektion inso kurzer Zeit zu verrichten, daß der Dcbit nicht gehemmt und die Buch-führer in ihrer Nahrung uicht gehindert würden. Der Genernlfistalmüßte sämtliche lebende und tote Sprachen verstehen, er könne abernichts als seine liebe Muttersprache und ein wenig Latein; er müßteein guter Jurist, Philosoph, Mathematiker, Theolog, Physiker und Medi-ziner sein. „Das Bücherwescn", schreibt v. Grumbkow, und diese Zeilensind von bcsondcrm Interesse, „hat seit der Reformation in ganz Teutsch-land, nicht weniger in allen civilisirtcn Ländern freien Lauf gehabt. . . .Wollte nun diese Freiheit durch dcrgl. Ordre in I. Maj. Landen ein-geschränkt werden, so würden die Gelehrten hierdurch nicht allein sehrniedergeschlagen und der Buchhandel selbst gänzlich zu Grunde gerichtetwerden, souderu auch die Barbarei und Unwissenheit . . aufs Neue zumgrößten Präjudiz der gegenwärtigen und zukünftigen Zeit überhandnehmen. Das Papstthum hat den von dieser Inquisition herrührendengroßen Schaden zur Genüge empfunden. Weswegen heutigen Tages diebemittelten Katholigucn, wenn sie ihre Kinder was Rechtschaffenes wollenlernen lassen, bcmüßiget sind, selbige auf protestantische Universitäten zuschicken." Er erinnert weiter an die Schwächung der Postrcvcnuen und andie Gefahr des Niedergangs der Universitäten: „maßen nichts natürlicherals dieses, daß der größeste Zulauf dahin gehet, wo die meiste Freiheitist." Er rät, cS „bei der bisherigen Verfassung und Freiheit zu lassen".Erscheint bisweilen eine verdächtige Picce, so wird das Publikum davonsogleich der Richter sein; „da dann der ordentliche Weg der Eonfiscationalle Zeit statt haben kann. Denn wer ein böses Gcmüth und schlimme1>!'incixia hat, wird doch alle Zeit Mittel finden, ohne die Buchhändlersich solche kommen zu lassen". Darauf blieb die Ausführung auf fichberuhe». Ganz ebenso aber erging es dem König mit seinem Lensurediktvom 22. Februar 1737, das an dem einstimmigen Widerspruche derMinister scheiterte nnd deshalb nicht einmal veröffentlicht worden ist.