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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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47^ 5- Kapitel: Das bibliopolische Deutschland ; Absah, Preis, Nachdruck, Ccusur.

sich kein Anhaltspunkt dafür, daß in ebenso graßer Anzahl auch Ccnsorcueingesetzt worden wären. Aber trotzdem: das Edikt als österreichischeTcrritorialverordnnng steht inmitten von Jahrzehnten, die im ganzeneine zunehmende Bermindernng des jesuitischen Einflusses auf Druck,Verlag, Handel und Lektüre in Österreich bedeuteten. Bezeichnen wir dieGesamtsignatur der in den deutschen Landen überhaupt geübten Censuraufsieht unscrs Zeitraums gegenüber dem vorangehenden, so ist es die,daß an die Stelle des religiösen mehr nnd mehr der weltliche, odergenauer: an die stelle des konfessionellen (für den katholischen Süden:und geistlichen) Gesichtspunktes mehr und mehr der politische (für denkatholischen Süden: und staatliche) Gesichtspunkt tritt. An Stelle derstrecken- und zeilenweise geradezu entsetzlichen luthcrisch-rcformiertcu Befehdung der vor dem großen Kriege liegenden Zeit jetzt eine Befriedungder gesamten evangelischen Lande unter dem Loi^us Dvangelienm: dasist eine für den evangelischen Bnchhandel bemerkenswerte Wandlung.Nicht dasselbe Verhältnis aber bestand zwischen dem evangelischen undkatholischen Deutschland . In den evangelischen Landen freilich war manauf diesem Gebiete sehr tolerant, wenigstens wehrte man sich nur gegendie eigentlich aggressive Litteratur. Gelegentlich starker Übergriffe, diesich im südlichen Schlesien jesuitische Heißsporne der Einfuhr rein objek-tiver protestantischer Litteratur gegenüber erlaubten, bemerkten die be-troffenen norddeutschen Buchhändler, wie doch in Breslau ungestörttathotisch-lirchliche Schriften sogar verlegt würden. Die evangelischenLänder hatten es leicht, tolerant zu sein: die Richtung des allgemeinenBücherstroms ging von den evangelischen nach den katholischen Ländern;die ganze vorwärts schreitende Litteratnr anch allgemeine» Charakterswar durch nnd dnrch mittelbar oder unmittelbar evangelischen Geistes;die katholischen Länder hatten sich seiner zu erwehren. Wir finden dennin unserm ganzen Zeitraum einen heftigen Kampf namentlich im katho-lischen Süden in erster Linie gegen die eigentlich konfessionelle Litteratnrder Evangelischen. Trotzdem wird aber auch hier iu der zweiten Hälfteoder zu Ende unserer Periode die Emaucipatiou des Staates vou derVorherrschaft der geistlichen Buchaufsicht bemerkbar. Wir treten inunser» Zeitraum ein mit der vollen Herrschaft der Jesuiten in Österreich auf diesem Gebiete, wie der Dreißigjährige Krieg sie besiegelt hatte.DasNeformntionS-Mandat" vom 4. Januar 1l>52 verbot - in