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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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47(! 7- Kapitel: Tao dibliopvlische Deutschland! Absatz, Preis, Nachdruck, Ceusur.

es mit der Praxis stand, zeigt der Umstand, daß im Jahre 1719 derdamalige Icsnitcnkanzler nicht nur den Druck des Lagcrkatalogs, dender Verleger Phil. Jac. Vcith zur Ceusur vorlegte, verbot und denKatalog zurückbehielt, sondern auch die ^cnsurbewilligung, die der Re-giments-lMgicruugs-) Rat Koller v. Mohrensels als Mitglied der^'ensurbchörde von Seiten der Regierung bereits ausgefertigt hatte, durch-und den Namen des Rates ausstrich. Die darauf erfolgende Beschwerdedes Buchhändlers war der Anlaß zur endlichen Einengung der jesuitischenCensurkompcntenzen iu Steiermark; sie wurden auf das theologischeGebiet, in der allgemeinen Zensur auf eine vorläufige Durchsicht undein Zeugnis beschränkt, der Regierung wurde das entscheidende Impri-matur gesichert. Ähnlich entwickelten sich die Dinge in Böhmen ^hier freilich, in der Heimat der hussitischeu Bewegung, mit dem geriugsteuErfolge einer im Juli-Edikt von 1715 bezeichneten Richtung. Dominiramsche uud jesuitische Visitatoren durchzogen das Land, drangen in dieHäuser ein, steckten sich hinter die Kinder; Privatleute, die protestantischeSchriften einführten, wurden mit Kerker- und Geldstrafen belegt. ImJahre 1723 endlich wurde eine Büchertommissiou unter Graf N. B. 8.v. Kolowrat eingesetzt, die den Unterschlcif verbotener Bücher zu hindernhatte, und ohne deren Zensur bei allen, auch er;bischöflicheu, Univcrsitäts-und Jcsuitcrdruckcreien nichts in rmdlieis gedruckt werden durfte. Boudem dem Erzherzogtum Österreich benachbarten Salzburgs brauchenwir kaum zu reden: die Austreibung der 33000 Protestanten im Jahre1731, der besonders strenge Vorschriften betreffs der reisenden Buch-häudler, der Klciuwaren, Bilder- uud Kupfcrkrämer und der Bcthcn-trämcr folgten"", spricht deutlich genug. Aber sogar iu dem gut pro-tcslautischcn Gebiete deo Herzogtums Schlesien^" iu dessen Haupt-stadt Breslau freilich die Jesuiten vergeblich versuchten mit einem eigenenprivilegierten Buchhandel Fuß zu fassen fanden Vorstöße der Jesuiteilstatt. Hier wurden in Tcschcu"^, das keine eigene Buchhandlung besaß,im Jahre 1713 auf Veranlassung eines Dcchantcn durch dm königlichenFiskal die Bücherkisten einer in Leipzig gemachten Bestellung für dielutherische Gemeinde arrestiert. I. L. Glcditsch und G. M. Weidmann- der ersterc hatte schon das Jahr vorher unbeanstandet geliefert, derletztere hatte inzwischen als sein Gesellschafter die Sendung übernommen klagten in Dresden; Wien verordnete, die Bücher, als eine ins