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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Preise und Preisreform der Halleschen Waiscnhausbuchhandlung. 499

Wir können ihn nach dem, was im Vorangehenden gesagt ist, genauverstehen und würdigen, und er ist gleichsam eine abschließende Zu-sammenfassung davon. Der Preisreform liegen die folgenden Punkte,über die eine Verständigung mit der Geschäftswelt herbeigeführt werdensollte wie es heißt, auch mitvielen" Geschäftsgenossen herbeigeführtworden ist (?) zu Grunde. Erstens: das auf der Leipziger Messe erhaudelte Tauschgut wird pro Alphabet ordinären Schriftgrads gewöhnlichzu 4 gr., Korpusdruck nicht über 5 gr., das auf der Frankfurter Messe erhandelte Tauschgut ordinären Schriftgrads nicht über 5 gr., Korpus-druck nicht über 6 gr., uuter Umständen nur auf gr. gestellt.Zweitens: ein Überschuß von einigen Bogen über das Alphabet wird nichtberechnet. Drittens: Ausgaben pro ladure werden nicht auf deu Preisgeschlagen. Viertens: beläuft sich der Preis von Druck und Papiereinmal etwas höher als gewöhnlich, so soll nicht zu scharf gerechnet werden.Fünftens: bei ausländischen, z. B. holländischen Büchern, die eine andere Höhcrc Taxe haben, soll aus alle Billigkeit gesehen werden, undkommt man mit dem Preise nicht durch, so soll man sich ihrer liebercntschlagcn. Sechstens: ebenso soll man auf die Bücher derjenigeninländischen Buchhändler, welche sich der neuen Preisrichtung nicht fügen,sondern lieber beim Alten bleiben wollen, zu verzichten suchen.

Das Waisenhaus selbst aber blieb, was seinen eigenen Verlag betraf,derneuen Preisrichtung" bis auf weiteres treu. Im Jahre 1733 gabes Friedrich Wilhelm dem Ersten die folgende Erklärung über die Preis-bildung der Bücher:Ein Bogen ordinärer Schrift wird in demordentlichen Verlag des Wayscnhauses mit 2 Pfennigen Mphabet 4 gr>^von dem Käufer bezahlet, auf welchen Preis man selbst vor mehrenIahren den Verlag hcrnntergesetzet hat, da die Buchhändler sonst durch-gehends ein mchres zu nehmen gewohnt gewesen, auch größtenthcils solchesnoch thun." Die Universität Leipzig gab in den sechziger Jahrenals den vor dem Siebenjährigen Kriege üblichen Durchschnittspreis einesAlphabetsordentlichen Oktavformats" 5<> Groschen an^, oder aufden Bogen 2,-»2,»u Pfennig.

Wenn wir damit die in GeorgiS Büchcrlcrikon verzeichneten Ver-kaufspreise vergleichen, so warcu die Preise, die man zu Ende unseresZeitraums in Deutschland für Bücher bezahlte, allerdings durchschnitt-lich höher.

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