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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Reich und Reimarus über Klopstocks Gelehrtenrepublik. 147

und ebenso gut betreiben, das wird man sich doch schwerlich vorstellenkönnen." Ein bekannter, gut eingeführter Schriftsteller bringt vielleichteine genügende Anzahl von Subskribenten zusammen. Aber ein nochunbekannter? Der Buchhandel ist es, der auch sein Werk auf eigeneKosten und Gefahr in den Sattel hebt. Gut, heißt es, so behalten wirnur die Bücher, deren Absatz gewiß ist. Ein Buchhandel mit lauterbuchhändlcrisch unbrauchbaren Büchern ist aber erstens unmöglich. Undzweitens: es ist dabei immer nur von den neu geschaffenen Werken dieRede. Wo bleiben die alten? Die Jahre, Jahrzehnte, Jahrhundertealten? Wer in aller Welt wird, nachdem man dem Buchhandel dasLcbcnsblut abgezapft hat, einen Borrat neuer und alter, in- und aus-ländischer Bücher halten? Wie soll der Nachfrage nach Büchern genügtwerden, nach denen jähre- und jahrzehntelang nicht gefragt worden ist?Und die Subskription! Die gesamte Littcratur durch Subskription!Lieber das Zehufachc bezahlen und dafür vorher einschen, aussuchen,eine Besprechung lesen können, als auf lauter Bücher subskribieren, dieman nicht kennt, die vielleicht noch gar nicht geschrieben sind. Undwill man die Bücher durch Ausschaltung des Buchhandels etwa billigermachen? Wenn der Gelehrte auch nur ebensoviel verdienen will, wie er vomBuchhändler erhalten würde, schon dann müßten die Bücher teurer seinals jetzt. Man wird die Büchernicht wohlfeiler, aber viel beschwer-licher erhalten". Aber das ist immer das Merkwürdige bei dem Ge-danken gruudsätzlichen Selbstverlags gewesen: daß jeder nur an seineeigenen Werke denkt, nicht aber daran, daß er sich ja auch die Werkeder andern lebenden und dahingegangenen Autoren anschaffen will. Inder Polemik für und wider den Nachdruck haben deutsche Gelehrte wieder-holt darauf hingewiesen, von welcher Bedeutung ein finanziell gut fun-dierter Verlegerstand sei. Ähnlich anch Reimarus .Die Wissenschaftenerfordern, daß nicht bloß Taschenbücher, sondern auch große Werke ge-druckt iverden: und wen wollte man denn ohne bemittelte Buchhändlerzu einem solchen Vorschusse rathen, dessen Wicdererwcrbuug viele Jahreerfordert?" Können aber nicht endlich die Schriftsteller eine Gesellschaftbilden und so viele Werke zugleich verlegen? Gewiß; nur:So sind sieauch Buchhändler, und doch unerfahrene Buchhändler, die entweder vomPublicum das Lehrgeld nehmen oder Schaden leiden müssen".^ Unddieses letztere war wohl die allgemeine Ansicht auch des Buchhandels.

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