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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
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Zeitung: Süddcntschlcmd, Österreich ; Fortschritte; moralische Wochenschrift. Zig

dürftige Quelle, steif und ungelenk geschrieben; eine BeilageGelehrteNachrichten" konnte sich nur von 1766 bis 1768 halten. DieWienerZeitung ", zweimal wöchentlich erscheinend, war allerdings wohl das um«fangreichste Blatt Deutschlands , sie hatte gewöhnlich den Umfangeineskleinen Buches"; indessen war die Zeitung selbst nie stärker als einenBogen; ein Bogen alsAnhang" und einer alsNachtrag" brachteBekanntmachungen und Inserate, und dazu kamen gewöhnlich noch be-sonders beigelegte Blatter mit Angeboten und Gesuchen vor allemaber Büchcrtitcln; das letztere besonders deshalb, weil eine Masse derbesten und gesuchtestcu Schriften im Laden nicht zur Schau gestelltwerden durften. So erreichte sie oft die Stärke von sechs bis siebenBogen. Die Jnsertionskosten betrugen für 3 gebrochene Zeilen 17 Kreuzer.Eine ungesunde Fruchtbarkeit an unbedeutenden und unselbständige!!Klatschblättcrn brachten die dreimal drei Jahre der Joscphinischcn Toleranz;dann sank das österreichische Zeitnngswesen zu vollständiger Bedeutungs-losigkeit herab.

Unbedeutend genug erscheint das Gesamtbild der deutschen Presseder zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Und doch: welche ganz andereErscheinungen jetzt, seit den 1760er Jahren, auch hier! Ein Blatt mitJustus MöscrschenPatriotischen Phantasien", wie sie 17661782 indenOsnabrllckischen Jntclligenzblättern" erschienen, mitWerken desWandsbecker Boten ", wie dann die gcsammeltcu volkstümlichen Aufsätzeund Gedanken hießen, die Matthias Claudius 17711775 imWands-becker Boten " veröffentlichte wie wären sie in der zurückliegendenZeit auch nur denkbar gewesen! Und so manche andere Erscheinungenzeigen, daß die Zeitung, wie sie sich hier mit gediegensten allgemeinenInhalten verband, so hier und da einen ganz andern, lebhaftem Tonanzuschlagen begann. Die Erlangcr Realzeitung verdankt" ihren großenAbsatz sie wurde sogar in Konstantinopel und Nordamerika gelesen dem Umstände, daß sie seit den vierziger Jahren, dabei in frei-mütiger Manier geschrieben, so hübsch zuspaßen" verstand.

Die moralische!! Wochenschriften, die erste Erscheinung einer erhöhtenund vertieften Lebendigkeit der periodischen Littcratur, erlebten ihre höchsteBlüte in den vierziger, fünfziger Jahren. Dann wurde die Nation,in die Zeit lebhafterer politischer Interessen, emporsteigenden National-bewußtseins und ciuer ganz andern Pflege rein littcrarischcr Interessen

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