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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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ö, Kapitel: Der Büchermarkt.

wurde und dic Herrschaft ebenfalls neugcgründcten Regierungsblätternzufiel, wo in Cleve 1799 der kurz vorher gegründeteArion", in Cre-feld 1801 dic 1799 gegründeteIris" umgebracht wurde und in Bonn nichts als in der Mitte der neunziger Jahre ein elendes Deladenblättchenbestand. Aber auch die neuen Zeitungen im alten Deutschland warenmeist kleine und wertlose Oktavblättchen. Nur wenige sind darunterhervorzuheben, so der vom Dortmunder Doktor der Rechte, Buchhändlerund Ratsherrn Arnold Mallinckrodt 1798 gegründete, zweimal wöchentlichin Quartformat erscheinendeWestphälische Anzeiger". Vor allem aberist eben dieses Jahr 1798 in der Geschichte der deutschen Zeitung denk-würdig durch die Gründung der CottaschenAllgemeinen Zeitung", die,nachdem Schiller die Redaktion abgelehnt hatte, von Dr. Ernst LudwigPosselt (vorher Professor der Geschichte und Eloqueuz am Karl Friedrichs-Lyceum in Karlsruhe ) redigiert, zuerst alsNeueste Weltkunde" erschien.Die Ankündigung erklärte, daß dieZeit-Blätter" beinahe alleaußerallem Verhältniß mit der Würde und Wichtigkeit ihres Gegenstandes"ständen;deutscher Fleiß, deutsche Gerechtigkeit gegen das Ausland,deutsche Achtung vor dem Publikum, mit etwas britischer Freimüthigkeittingiert," werde bemüht sein,eine Frucht gedeihen zu machen, wie dasganze übrige Europa sie nicht aufweisen könne: ein politisches Tag-Blatt,das wie ein treuer Spiegel die wahre und ganze Gestalt unsrer Zeitzurückstrahle; so vollständig, als ob es der ganzen Menschheit angehörte,so untergeordnet den großen Grundsätzen der Moral und bürgerlichenOrdnung, als ob es ganz auf das Bedürfnis) einer Welt voll Gähruugs-stoff berechnet wäre; so edel in Sprache und so unparteiisch in Dar-stellung, als ob es auf die Nachwelt fortdauern sollte". Das Blatterschien täglich (einschließlich Sonntags) im Umfange von ^ Bogen inGroßquart; der Abonnementspreis war außerordentlich hoch, er betrug18 Gulden12 Rthlr.: freilich erhielt allein der Redakteur 2000 undder erste Hilfsredakteur 1000 Gulden jährlich; die Thurn- und TaxisschePost erhielt 6 Gulden Rabatt, von denen sie den Posten außerhalbihres Gebietes wiederum die Hälfte gewährte. Der Preis war viertel-jährlich pränumerando zu zahlen: Cotta war, nachdem bis dahin aus-schließlich postnumerando gezahlt worden war, der erste, der diese schonvon dem geschüftsverständigen Schiller als besonders zweckmäßig gelobteZahlungsweise einführte. Das Blatt wurde in Rücksicht auf die