Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
481
Einzelbild herunterladen
 

Nicolai, Voß, Spener und andere Berliner Verleger.

481

darüber Näheres im folgenden Kapitel hören der entschiedenste Gegnerdes Nettohandels und eine der bedeutendsten Verkörperungen des nord-deutschen Sortimcnters, nur daß er eine öffentliche Führerrolle imKampfe des letztern gegen erstern mit Betonung ablehnte. Vielleichthaben wenige, vielleicht hat keiner seiner buchhändlcrischen Zeitgenosseneine körperlich und geistig so allseitige und rastlose Thätigkeit entfaltetwie Nicolai der Verleger, Sortimentcr, Redakteur, Schriftsteller, dilet-tantischer Gelehrte und Weltmann, und nur die kühle Ruhe seinesNaturells und die sichere und strenge Organisationskraft, mit der ersich Zeit und Menschen Untertan machte, machen es erklärlich, daß erihr nicht unterlag. Ein Vierteljahr verging für ihn mit Reisen, unddabei schrieb er eine kleine Bibliothek zusammen. Er trieb die ent-legensten Studien (z. B. über die Geschichte der Perrückcn), und dabeiwelche Arbeitsleistungen im Sortiment: als derSebaldus Nothanker" ihmseitens der Kaiserin von Rußland die Bestellung einer Bibliothek für diekaiserlichen Prinzen eingebracht hatte, schrieb er in einigen Wochen insauberer Handschrift einen ganzen Folianten eines wohlgewähltcn Katalogs.Das letzte Drittel des 18. Jahrhunderts, die Zeit von Christian FriedrichVoß und Johann Carl Philipp Spener, war die Glanzzeit der Vossischenund Haude <K Spenerschen Buchhandlungen.^ Im Vossischen Verlag er-schienen fast alle Schriften Lessings und Friedrichs des Großen. In denbeiden Verlagshandlungen erschienen die beiden Zeitungen, die bis desMitte des 19. Jahrhunderts die beiden einzigen maßgebenden BlätterBerlins blieben, bei Haude <d Spener außerdem von 1783 bis 1796 diedamals einflußreicheBerlinische Monatsschrift". Bei Spener erschienenverschiedene von Daniel Chodowieckis Hand geschmückte Taschenbücher,einen breiten Raum nahm die Nciselitteratur ein, unter der besondersdieGeschichte der englischen Seereisen" (17721778) hervorragt,sein populärster Verlagsartikel vielleicht war Archenholtz'SiebenjährigerKrieg ". Voß war zugleich, wie sich schon bei mehreren Gelegenheitengezeigt hat, Vertrauensmann und Führer der Berliner Buchhändler.Eine reiche Zahl starker Verlage folgte aus die drei genannten: inder Zeit bis etwa zum Jahre 1780 auftretend in erster Linie Gottl.Aug. Lange, Arnold Wever, Chr. Fr. Himburg, Hesse, Decker, GottliebAugust Mylius, Pauli und von denen der letzten Jahrzehnte: Maurer,E. Fetisch, Frölich, C. H. Schöne, Johann Samuel Ferdinand Ochmigke,

Geschichte des Deutschen Buchhandels. III. 31