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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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564 9. Kapitel: Der Horvath - Göschcnschc Reformversuch.

derei als Mittel der Lager-Entschüttung"; die Vorzugs- und Vormacht-stellung Leipzigs und Berlins ergab die weit und breit verhängnisvollwirkende Leipziger und Berliner Schleudern. Es kamen endlich alsweitere Gründe der Buchhandel derUnzünftigen", der direkte Vertriebdes Verlegers und der Nachdruck hinzu. Wir haben alle diese Dingevon langer Hand sich vorbereiten sehen. Jetzt war die Zeit ihrer Reifeherbeigekommen.

Der Kundcnrabatt war im ganzen 18. Jahrhundert ^ nicht überallselbstverständlich und nicht durchaus allgemein, und wir finden auch zuBeginn der achtziger Jahre dem Zeitpunkt, von dem zuweilen dereigentliche Beginn des Rabattunwesens datiert wurde ^, dem buch-händlerischenNachlaß an Partikuliers" noch in weitem Umfange deneigentlichen Charakter des kaufmännischen Rabatts als Vorzugspreisesgewahrt, sei es bei fortdauerndem Bezug, sei es bei Abnahme vonmehreren Exemplaren auf einmal^", sei es bei Barzahlung." Geschichteund Bedeutung der in der. Stellung des Verlegers und der buchhäud-lerischcn Hauptplätze wurzelnden Gründe sind schlagend verkörpert in derAngabe der Zeitgenossen: der Urheber des Kundcnrabatts sei PhilippErasmus Reich. Leipzig!Man könnte leicht darthun, daß Leipzig vieles zum Ruin der Buchhandlung nicht nur hierdurch allein, sonderndurch mehrere Sachen beiträgt" (Hermann in Frankfurt a. M.). AlsSitz übermüthiger Verleger, Brutstätte einer Unmenge von Lehrlingenund Menschen aller Art, die anderweit nicht fortkamen, sogenannten Buch-handel anfingen und die Welt mit Ancrbictungen vou wohlfeilen Büchernüberschwemmten, schildern es z. B. die Dresdener Buchhändler (1804);die Particulicrs, fahreu sie fort, verschreiben sich jetzt ihren Bedarf ausLeipzig , woran früher niemand gedacht hätte; noch weniger Hütte maneinst an Rabatt gedacht; jetzt hätten sich infolge der immer steigendenLeipziger Konkurrenz auch die Dresdener dazu entschließen müssen. Undwie viel weiter reichte doch der Arm dieser Konkurrenz, die erhabenwar über Meßreisen, Nicderlags- und Stubenzinsen, Fracht- und Post-porto, Kommissionsembnllage und Markthelfergebühren, Kost, Trinkgelderund andere Gefälle! Nicolovius in Königsberg büßte durch sie dielohnende Bücherlieferung für die Universität Dorpat ein. Franke inBerlin stellte in einem Aufsätze aus der Mitte der neunziger Jahrefolgende Forderungen auf: 1) die Leipziger geben statt des alten Viertel-