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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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PalmsBeytrag".

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Handlungen, die sich bisher nur wegen dieses Übclstcmdcs vom Sortimcnts-hcmdel entfernt hielten, werden ihm dann mehr und mehr wieder bei-treten:sonst könnten sie auch nicht wohl bei dieser Gesellschaft auövorbcsagten Gründen Eingang finden, oder sie verstünden sich für dieUnterstützung des Sortimentshandcls zu besonderen Verträgen". Istdiese neue (oder vielmehr alte) Ordnung eingeführt dann werden dieSaldorcste verschwinden, dann kann der Sortimenter so pünktlich zahlen,wie der Leipziger Verleger es verlangt! Und Hand in Hand damitmuß eine andere Reform gehen die aber gerade bei den großen Ver-legern den Hebel ansetzt. Die Göschcniancr, ruft Palm, werfen uns denschmalen Bissen einer Beschränkung des Kundenrabatts auf 10"/<, zu undverlangen dafür von uns nachsichtslos die strengste Pünktlichkeit undzwar auf der Basis der Zahlungsrechnung, ja der Barzahlung. Uudda sie Wohl wissen, wie schwierig uns dies bei den herrschenden Zu-ständen wird, so verordnen sie aus ihrer Leipziger Stube, wir sollenunfern fränkischen und schwäbischen Kunden anbefehlen, wann sie zahlensollen! Der Sortimenter hat mit allen Ständen, besonders dem ge-lehrten Stande zu thun. Wie wenig sich dieser mit der Zahlung auOrdnung und eine bestimmte Zeit binden läßt, wie Kunden schuldigbleiben, empfindlich sind gegen Mahnungen u. s. w. davon wissen dieHerren Verlagshändler natürlich nichts und wollen daherohne alleErfahrung und Gefühl den Buchhändler zur Zahlung zwingen". Dasreine Zahlungösystcm ist eben mit der Natur des (Sortiments-) Buch-handels unvereinbar! Wenn, wie es leider gegenwärtig beginnt, derBuchhandel sich in reinen Verlag und reines Sortiment scheidet: dannschickt eben der Sortimentcr das Buch, das er nicht absetzen kann, stattder Zahlung znrück und Verleger und Sortimenter haben beide nichts.Hat der Sortimentcr daneben Verlag, so legt er es auf Lager und hältsich durch eigenen Verlag schadlos oder vertauscht es weiter. Hat eraber keinen, so wird er, wenn er ungenügend absetzt, zahlungsunfähig; dieSortimentslagcr werden leerer und leerer. Dazu die rasch aufeinander-folgenden neuen Auflagen! Die Masse der wertlosen Bücher, entspringendaus der gerade vom reinen Verlag gezüchteten täglich wachsenden Zahlder Buchhandlungen! Gewiß muß der Kundenrabatt abgeschafft werden,und zwar vollständig. Und ebenso gewiß der endlose Kundenkredit. Daskann aber nicht auf dem vonMangel an guter Gesinnung" undMangel

Geschichte des Deutschen Buchhandels. III. 38