Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
621
Einzelbild herunterladen
 

Rückblick und Ausblick,

621

die Lcopoloinischc Wahlkapitulation zurück? Und was hatte sich seitdemgeändert? Und hier geht unser Blick vorwärts. Das Jahr 1804bildete die äußerste Grenze vor dem kurzen aber furchtbaren Zeitalterder Fremdherrschaft, das wie zermalmender Hammerschlag alte Formenzertrümmerte und wie schneidender Schwerthieb Vergangenheit und Zu-kunft voueinaudcr lostrennte. Friedrich Perthes , drei Monate nachSchillers Tode, den Blick in eine Zukunft ungeahnter Kämpfe, Um-wälzungen und Erweiterungen gerichtet, schleuderte seinen Fluch auf daspapierne Zeitalter" der Vergangenheit. Er sprach mehr damit aus,als das Wort zunächst zu besagen scheint. Denn die Vergangenheit,fremd gleichsam der Welt der Stoffe, Thaten und Räume, spann soaus sich heraus ihr eigenes, dieser Welt fremdes, noch fremdes Reich.Auch der Buchhandel hatte den Gipfel, wenn wir so sagen dürfen:solcher Sclbstbildung erreicht. So jugendlich seine Gestalt noch war:wir haben in seinem Antlitz deutlich die Züge des Mannes ausgeprägtgefunden uud Korper uud Geist ihm erfüllt von keimenden Kräften undIdeen. Merkwürdig, wie dieser Reformvcrsuch so am äußersten Endedes Übergangszeitnltcrs steht, und wie ihm jäh von Sturm uud Wctter-schlag das Wort abgeschnitten wird; dieser Ncformversuch, der noch einmaldas Bild des Buchhandels dieses ganzen Zeitalters zusammenfaßt: mitseinem Kampf alten und neuen Geistes, alter und neuer Organisation,mit seiner ganzen Überfülle und seinem ganzen Überschwang, seinerWurzclung in litterarischer und politischer Zerklüftung. Die Zeit erst,die jetzt anbrach, schuf die Weite und Reise der Bedingungen undreifte zugleich die Besonnenheit der Zielsetzung, die das gründen, wachsenund reifen ließ, was die Vergangenheit erstrebt hatte. So und ähnlichaber auf allen andern Gebieten. Die Zeit steht niemals still, und wiedie Schuppcu eines Panzers greifen Jahre und Jahrzehute übereinander.Die Losung: Einheit und Fortschritt! aber, wie das Napoleonischc Zeit-alter sie der deutschen Nation gleichsam abzwang, eröffnet neue Zeit-alter, denen gegenüber die Vergangenheit die Zeit der Vereinzelung unddes Stillstandes ist. Einheit und Fortschritt in Verfassung, Gesetz-gebung, Verkehr, Handel, Technik, Littcratur, sie alle sollten aufgepeitschtwerden zu neuem, kräftigcrm, reichern: uud rcifcrm Leben. Davon sollunser künftiger Band erzählen.