— 50 —
mals so blühenden Schmuggels nicht zu übersehen. Ist dochbekannt, welche ungeheuren Massen englischen Garnes währendund nach der Kontinentalsperre nach dem Festlande kamen.Ganze Industrien verdanken ihren heutigen Standort demSchmuggel. So erklärt Uro, der es wissen mufste, dafs dieSpinnereien in Reichenberg dicht an der sächsischen Grenzenichts andres seien als Anstalten, um englisches Garn abzu-haspeln, und dafs auch die lombardischen Spinnereien keinenandern Zweck hätten, als den Import englischen Garnes zu„maskieren". Der Betrag des jährlich nach Frankreich ge-schmuggelten Garnes allein wird auf 15—20 Millionen Frankenangegeben 1 . Für die Bedeutung des Schmuggels finden wirbei Bein, Industrie des Voigtlandes, eine Reihe von Belegen,vergl. S. 88—91. Der Handel des Voigtlandes leidet z. B.unter langdauerndem Regenwetter, weil dadurch die Schmuggel-wege nach Rufsland unpassierbar gemacht werden.
Die internationale Konkurrenz aber zwingt England zur Ver-billigung der Produktionskosten. Dieses Bestreben, wie es dieGrofsindustrie hervorgerufen hatte, treibt sie nunmehr zurweiteren Ausbildung vorwärts; sie wird gezwungen, die Folgenihres eigenen Wesens zu ziehen. Noch kleben damals auchder ältesten Grofsindustrie, der Spinnerei, die Eierschalen klein-gewerblicher Zustände an. Das Abstreifen dieser Eierschalenist die Geschichte der englischen Baumwollindustrie, welche indem Mafse die Eigentümlichkeiten der Grofsindustrie ent-wickelt, als sie um die Herrschaft des Weltmarktes zu kämpfenhat. Von diesem Gesichtspunkte aus wird die ungeheureMasse verworrener Blaubuchsberichte durchsichtig. Verständ-lich werden die Klagen der Fabrikanten und die Leiden derArbeiter: Übergangszustände vom halben zum vollen Grofs-
1 Ure, Cotton Manufacture Einl. S. 34, 36, 63. Bericht des SilkCommittee von 1832 p. 586.