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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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im sächsischen Oberlande zu sehen sind 1 . Der Druck desWeltmarktes machte diese Leute in England damals unmöglich.Ihnen gegenüber kamen gröfsere Betriebe auf 2 . Innerhalb dermodernen Betriebsweise pflegt nämlich ein doppeltes Kapital einemehr als doppelte Produktion zu ermöglichen. Einmal sinddie Anlagekosten für eine doppelte Anzahl von Spindeln nichtdie doppelten, so die Kosten für Gebäude, Grund und Boden,Maschinen u. s. w. geringer. Das gleiche gilt von einem Teil derBetriebskosten, z. B. der Dampfkraft, Beleuchtung, Bewachungu. s. w. 3 . Lediglich auf Dampfkraft gestellt, suchten sichjene grofsen Spinnereien frei den günstigsten Standort, insbe-sondere die Nachbarschaft ihres gleichen. So entstanden jeneFabrikorte mit einer ausschliefslich für die Baumwolle erzogenenArbeit.

Neben der Konzentrierung der Industrie führte das Be-streben nach Verbilligung der Produktionskosten zu tech-nischen Fortschritten im engeren Sinne. Dieselben lagenin verschiedener Richtung. Einmal lernte man den Rohstoffmehr als bisher ausnutzen, schlechtere Baumwollen durch ver-besserte Vorbereitungsarbeiten zu gleich guten Garnen ver-spinnen, den Verlust beim Spinnen vermindern und dieAbfalle selbst zu geringerem Garn verarbeiten. Trotzdemwar der Prozentsatz des Verlustes gegen heute noch immer hoch.

1 Vgl. über derartige Heine Spinnereien Reichsenquete überBaum-woll- und Leinenindustrie. Stenograph. Protokolle S. 142 u. 143.

2 Die Gründe, weshalb die kleineren Spinnereien allenthalbendem Mitbewerbe der gröfseren erliegen, sind von E. Engel in seinerSchriftdie Baumwollindustrie des Königreichs Sachsen" 1851 bereitsentwickelt worden.

3 Vgl. hierfür Comm. on Manufaetures 9166, auch Jannasch, dieeurop. Baumwollindustrie. Berlin 1882, S. 21, wonach eine Pferdekraftbei einer Maschine von 100 Pferdekräften den vierten Teil soviel wiebei einer Maschine von 10 Pferdekräften kostet.