deutlich aber, weil erst dem vorigen und unserm Jahrhundertangehörend, ist diese Entwicklung auf dem Gebiete der Land-wirtschaft. Die Notwendigkeit intensiverer Bewirtschaftung,erzwingt hier die Einführung des freien Tagelöhners, dessenArbeit, obgleich scheinbar teurer, doch wegen der aufserordent-lichen Mehrleistung die billigere ist 1 .
Im Handwerk des Mittelalters hatte die gewerbliche Arbeitfrüh die Freiheit erreicht und gewährte nicht nur auskömm-liches Dasein, sondern auch Ehre und Stand innerhalb derGesellschaft. Aber die Grundlage dieser Höhe war eine un-sichere ; sie beruhte auf Monopol und Rechtssatzung. Sie brachdaher zusammen mit dem Aufkommen des Weltmarktes undder internationalen Konkurrenz. Verbilligung der Produktions-kosten wurde nunmehr das innerste Princip des Gewerbe-betriebes. Das Handwerk wurde damit vom Grofsbetrieb ab-gelöst, dessen älteste Form die Hausindustrie war, dessen volleVerwirklichung jedoch erst das moderne Fabriksystem herbei-führte. Der Arbeiter aber sank unter dem Druck des ent-stehenden Weltmarktes jäh von seiner früheren Höhe herab.
in fremde gewerbliche Dienste sich verdingen liefs und nur eine Ab-gabe sich vorbehielt, ja ihn bis auf die Abgabe ganz befreite —Oprockbauem. Vgl. Eoseber a. a. 0. Anm. 3.
1 Vgl. z. B. was Koscher § 71 als die Erfahrung auf den Bern- storffschen Gütern anführt. In gleicher Eichtung liegen die Erfahrungendes Herrn von Münchbausen, welcher neben Bernstorff einer der erstenwar, der Emanzipierung der Hörigen aus dem Gesichtspunkt des wirt-schaftlichen Fortschritts forderte. Vergl. Münchhausen, UmständlicherBericht von der auf dem Kittergut Steinburg vorgenommenen Auf-hebung von Acker-, Spann- und Hand-Frondiensten. Leipzig 1801.Weitere Beispiele für Eufsland giebt Koscher § 71 Anm. 6. Ein freierMäher mäht soviel wie 2 bis 3 Leibeigne, ein Gutspferd leistet sovielwie 3 bis 4 Bauernpferde; mit freien Arbeitern statt Hörigen giebt
Roggen 8 1 /3 statt 3, Gerste 9 1 k statt 4, Hafer 8 statt 2 2 /s Körner —alles Analoga der hier zu schildernden Entwicklung.