— 59 —
Aber ein ähnlicher Prozefs vollzog sich auch innerhalbEnglands, indem dort die Industrie am kräftigsten fortschritt,wo die Stücklöhne zwar am billigsten, der Wochenverdienstund die Lebenshaltung der Spinner dagegen am höchsten war.So erhob sich damals Manchester über Glasgow , das trotz be-deutend niedrer Wochenlöhne höhere Stücklöhne zahlte 1 .
Es ist dies eine allenthalben belegbare Thatsache, dafs mitgrofsindustrieller Entwicklung ein stetes Herabgehen der Stück-löhne von steter Steigerung des Einkommens des Arbeitersbegleitet ist. Worauf beruht diese Erscheinung? Um sie zuverstehen, müssen wir sie als Fortsetzung jener uralten Ent-wicklung auffassen, welche einst die Arbeit von der Unfrei-heit zur Freiheit emporgehoben hat. Der unfreie Arbeiter,welcher aus äufserem Zwange die Arbeit leistet, ist an dasLebensminimum gefesselt; der Herr wendet selbstverständlicher-weise nicht mehr auf, als gerade zur Erhaltung und Fort-pflanzung der Arbeit erforderlich ist. Es ist als feststehend an-zusehen, dafs es der wirtschaftliche Fortschritt war, welcherden Arbeiter emanzipiert hat. Nur die rohesten Werkzeugesind dem Sklaven in die Hand zu geben 2 . Der wirtschaft-liche Fortschritt verlangt wachsendes Interesse des Arbeitersan der Arbeit zwecks Verbesserung und Steigerung der Arbeits-leistung, und diese sind nur möglich auf dem Boden derFreiheit. So entsteht aus dem hörigen G ewerbetreibendenursprünglich im Interesse des Herrn der freie Handwerker,aus dem Fronhofe des Mittelalters die Stadt 3 . Ganz besonders
1 Committee on Manufactures 5339 und Baines S. 440.
3 So konnten den Sklaven in Amerika nicht Pferde, sondern nurMaultiere anvertraut werden. Vgl. Koscher, System I § 71. Nur land-wirtschaftlicher Raubbau ist mit Sklavenwirtschaft auf die Dauer ver-einbar. Vgl. Baines, Slave Power. London 1863, und Mackenzie Wal-lace, Rufsland, wo das gleiche für Amerika und Rufsland berichtet wird.
3 Dasselbe wiederholt sich in Rufsland, wo man den Leibeignen