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Aber ein ähnlicher Prozefs vollzog sich auch innerhalbEnglands , indem dort die Industrie am kräftigsten fortschritt,wo die Stücklöhne zwar am billigsten, der Wochenverdienstund die Lebenshaltung der Spinner dagegen am höchsten war.So erhob sich damals Manchester über Glasgow , das trotz be-deutend niedrer Wochenlöhne höhere Stücklöhne zahlte 1 .
Es ist dies eine allenthalben belegbare Thatsache, dafs mitgrofsindustrieller Entwicklung ein stetes Herabgehen der Stück-löhne von steter Steigerung des Einkommens des Arbeitersbegleitet ist. Worauf beruht diese Erscheinung? Um sie zuverstehen, müssen wir sie als Fortsetzung jener uralten Ent-wicklung auffassen, welche einst die Arbeit von der Unfrei-heit zur Freiheit emporgehoben hat. Der unfreie Arbeiter,welcher aus äufserem Zwange die Arbeit leistet, ist an dasLebensminimum gefesselt; der Herr wendet selbstverständlicher-weise nicht mehr auf, als gerade zur Erhaltung und Fort-pflanzung der Arbeit erforderlich ist. Es ist als feststehend an-zusehen, dafs es der wirtschaftliche Fortschritt war, welcherden Arbeiter emanzipiert hat. Nur die rohesten Werkzeugesind dem Sklaven in die Hand zu geben 2 . Der wirtschaft-liche Fortschritt verlangt wachsendes Interesse des Arbeitersan der Arbeit zwecks Verbesserung und Steigerung der Arbeits-leistung, und diese sind nur möglich auf dem Boden derFreiheit. So entsteht aus dem hörigen G ewerbetreibendenursprünglich im Interesse des Herrn der freie Handwerker,aus dem Fronhofe des Mittelalters die Stadt 3 . Ganz besonders
1 Committee on Manufactures 5339 und Baines S. 440.
3 So konnten den Sklaven in Amerika nicht Pferde, sondern nurMaultiere anvertraut werden. Vgl. Koscher, System I § 71. Nur land-wirtschaftlicher Raubbau ist mit Sklavenwirtschaft auf die Dauer ver-einbar. Vgl. Baines, Slave Power. London 1863, und Mackenzie Wal-lace, Rufsland, wo das gleiche für Amerika und Rufsland berichtet wird.
3 Dasselbe wiederholt sich in Rufsland, wo man den Leibeignen