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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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Ein neuer Typus von Menschen trat damals in Lancashire ins Dasein: der zur Maschine geborene und erzogene Industrie-arbeiter. Er ist das späteste Ergebnis der modernen Betriebs-weise und setzt ihren Bestand seit Generationen voraus. Aberauch dann wird er unter günstigen Verhältnissen allein ent-wickelt, so auf dem Boden der fortgeschrittensten Grofsindustrienvor allem Englands und Amerikas , und doch wird von seinemBesitz in steigendem Mafse die wirtschaftliche Machtstellungeiner Nation abhängig. Als der Mann der Zukunft findet erin der Vergangenheit nicht seinesgleichen. Nicht die körper-liche Kraft ist es, welche ihn auszeichnet; denn die erfordertenBewegungskräfte leistet die Maschine. Aber er gleicht auchnicht dem Arbeitsvirtuosen der sogenannten Manufaktur, welcherauf Grund weitgehender Arbeitsteilung wenige Handgriffe zurVollkommenheit verrichtete. Vollkommener leistet sie nun dieWerkzeugmaschine, welche mehr und mehr das Gebiet dersogenanntenmechanischen" Arbeit ergreift. Den Menschendamit aus dem Nexus der immer weiter fortschreitendenArbeitsteilung befreiend, fordert die vollkommene Maschinelediglich Beaufsichtigung. Bei wachsenden Dimensionen undGeschwindigkeiten, ihrer zunehmenden Produktionskraft undKompliziertheit wird dagegen vom Arbeiter eine stets ge-steigerte Geistesanspannung, ein Eingehen auf die in ihr ver-körperten Gedanken der Technik verlangt. Der ihr dienendeMensch sollte ein Sohn des Zeitalters der Naturwissenschaft sein.Auch strebt die moderne Produktionsweise nach Zusammen-drängung der gleichen oder erhöhten Arbeitsleistung auf kürzereZeit; es ist billiger, die Arbeitskraft in neun als in elf Stunden zuerschöpfen. Der moderne Arbeiter, wie ihn die amerikanischeund die englische Grofsindustrie gezeitigt hat, ist der äufsersteGegensatz zu jenem Handwerker, der auf Grund thatsächlicheroder rechtlicher Monopolstellungseine Kunden warten läfst".