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erster Linie an der Möglichkeit von Lohnherabsetzungenhängen. Wenn in England der Betrag der Löhne gerade hin-reiche, um dem Arbeiter ein notdürftiges Dasein zu sichern,so könnte dieser Lohn dauernd nicht herabgesetzt werden.Wo man dagegen für den bezahlten Lohn weit mehr kaufenkönne, als das unbedingt notwendige, dort sei die Möglichkeitder Lohnherabsetzung gegeben. So seien die niederen Löhneauf dem Festlande in der Billigkeit der Lebensmittelpreisebegründet.
Die Fabrikanten Lancashires hatten zwar gewifs darinrecht, wenn sie meinten, dafs billige Nahrungsmittel auch billigeArbeit bedeuteten; sie irrten jedoch darin, dafs sie billige Arbeitmit niederen Löhnen verwechselten. Billige Arbeit ist gleichniederen Löhnen nur in jenem Anfangsstadium der grofsindu-striellen Entwicklung, in welchem der Arbeiter nicht mehrleistet, als zur Erhaltung der Lebensnotdurft notwendig ist.Wird letztere billig, so ist damit in der That die Möglichkeitder Herabsetzung der Löhne gegeben und dies der einzigeWeg, die Arbeit zu verbilligen. Anders wo sich aus jenembreiten Fabrikproletariat der moderne Arbeiter emporentwickelt.Wufsten doch bereits die englischen Fabrikanten recht gut,dafs ihr Mulespinner billiger arbeite, obgleich er vielleicht dereinzige Arbeiter in England war, welcher damals, auch inLebensmitteln gemessen, höheren Lohn als der Arbeiter desFestlandes bezog. Für diesen modernen Arbeiter wirkt Ver-billigung der Lebensmittel gleich Lohnerhöhung, letztere aberwird zur Lebenshaltung zugeschlagen. Die kräftigere Kost,insbesondere der Ubergang zur Weizen- und Fleischnahrung,welche nach Authebung der Kornzölle dem englischen Arbeiterzu teil wurde, hat gewifs mehr als alles andere dahin gewirkt,jene hohe Leistungsfähigkeit der Arbeit, die eigentliche „skilledlabour" zu erzielen, welche heute im internationalen Wett-
y. Schulze-Gävernitz, Der Grofsbetrieb. 6