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und durch Spekulationsgeschäfte ihre Wirkungen auszugleichen 1 .Es wurde damit für die wichtigsten Rohstoffe des menschlichenVerbrauchs, besonders neben dem Getreide für die Baumwolle,eine früher unbekannte Gleichmäfsigkeit der Preise erzielt.Aber abgesehen hiervon dient das Termingeschäft dem Impor-teur unmittelbar als Risikoversicherung. Kauft er bei güns-tigem Preisstande im Erzeugungslande Baumwolle, so kanner zugleich in Liverpool dieselbe Menge auf den Termin ver-kaufen, an welchem die Baumwolle voraussichtlich effektiv an-langen wird; bei weiterem Sinken der Baum wollpreise undVerlust an dem Effektivgeschäft kann er sich alsdann an demSpekulationsgewinn aus den futures entschädigen, bei Steigender Preise den Spekulationsverlust durch den Gewinn an dereffektiven Ware ausgleichen. Er wird so in die Lage versetzt,als ob sich die Preise seit Abschlufs des Geschäftes nicht ver-ändert hätten.
So führte neben der Entwicklung des Verkehrs die fort-schreitende Technik des Handels zu einer Vereinfachung jenerArbeitsteilung, wie sie die dreifsiger Jahre aufweisen. Andrer-seits rief diese Entwicklung neue Organisationen des Handelsins Leben. In erster Linie steht hier die Gründung des„Cotton clearinghouse" 1876, wodurch das Clearing-Systemzum ersten Mal auf den Produktenhandel übertragen wurde,dann die Gründung der „settlement association" 1882 mit demZweck, durch periodische Nachschüsse der Parteien die end-liche Zahlung der Differenzen bei Termingeschäften sicher zustellen, endlich die Gründung der „Cotton Bank" zur Erleichterungdes Zahlungswesens. Ohne auf diese Gestaltungen näher ein-zugehen, genügt es hier darauf hinzuweisen, dafs seit dendreifsiger Jahren der Aufbau des schon damals viel gegliedertenBaumwollmarktes heute ein noch komplizierterer geworden ist.
1 Vergl. Sonndorfer, Technik des Welthandels S. 14.
v. Schulze-Gävernitz, Der Grofsbetrieb. 7