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bau, der ausschliefslich der Baumwollindustrie und deren techni-schen Fortschritten gewidmet ist. Dies ermöglicht eine bedeutendeVerbilligung der Anlagen wie Betriebskosten gegenüber Be-trieben , die ihre Maschinen von weit her beziehen und be-sondere Reparaturwerkstätten mit hoch bezahlten, dabei oftnicht voll beschäftigten Mechanikern halten müssen. In England werden Aufstellungs- wie Reparaturarbeiten durch benachbarteMaschinenwerkstätten besorgt, welche zugleich den Besitz derfortgeschrittensten Technik verbürgen. Wie im Elsafs dieKoncentrierung der Industrie weiter als in Deutschland ist, sobesitzt es allein auch einen ausschliefslich der Baumwolle ge-widmeten Maschinenbau, welcher jedoch keineswags fähigist, ganz Deutschland zu versorgen. Letzteres bleibt in ersterLinie auf die englischen Maschinen angewiesen 1 .
Die Vorteile der Zerstreuung sind dem gegenüber gering.Aufserst zweifelhaft ist der Vorteil niedrer Löhne, denen nurzu oft schlechte und darum teure Arbeit entspricht. DieserVorteil wird um so hinfälliger, je mehr heute der Lebensunter-halt in den Verkehrsmittelpunkten billiger wird als in abge-legenen Landstädten; wichtiger ist der Besitz der Wasser-kräfte, auf welchem die Zerstreuung der deutschen Industriehauptsächlich beruht. Aber auch in Deutschland vollzieht sichder allmähliche Ubergang zur Dampf kraft 3 .
Besonders nachteilig aber ist die Decentralisierung in Bezugauf den Absatz. Auch hierin steht der deutsche Fabrikantunter denselben Nachteilen, mit denen der englische in dendreifsiger Jahren zu kämpfen hatte. Noch sucht der deutsche
1 Vergl. Jannasch, Die europäische Baumwollindustrie. Berlin 1882. S. 24 u. 25.
2 Vergl. Bericht der Kommission S. 27, ferner betreffend die Not-
wendigkeit des Ubergangs zur Dampfkraft bereits Engel, Die Baum-wollspinnerei im Königreich Sachsen. 1851, S. 11.