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Fabrikant durch Reisende und Agenten seine Kunden auf,vielfach Detailkäufer, deren Zahlungsfähigkeit oft zweifel-haft, deren Kreditbedürfnis allemal sicher ist. Daher die Klagenüber die schlechten Zahlungsverhältnisse in Deutschland , welchezahlreich in der Enquete auftauchen. Die Fabrikanten hätten3 bis 4, oft aber auch 6, ja 12 Monate und länger auf Zahlungzu warten, — eigentlich bestehe ein „zielloses Ziel", eine „volleAnarchie in der Zahlungsweise" 1 . Ahnliches hatte einst SirWalter Raleigh an den Engländern beklagt: die wirtschaft-liche Gröfse der Holländer beruhe auf dem System der Bar-zahlung.
Die geschilderten Nachteile sind allein durch fortschreitendeArbeitsteilung zu beseitigen. Der Fabrikant kann nicht zugleichKommissionär, Bankier, Händler und selbst Detaillist sein 2- ,er braucht einen sichern und zahlungsfähigen Abnehmer. Ersteht am besten, wenn der Absatz zu einem Markt koncen-triert ist und Börsenpreise den Kampf zwischen Käufer undVerkäufer vereinfachen. Die Aufsuchung der Kunden, aus-ländischer wie inländischer, die Tragung aller möglichen Ge-fahren des Absatzes sind jedenfalls schwierig genug, um dieganze Kraft eines Mannes zu erfordern. Nur der Grofskauf-mann ist im Stande, den Fabrikanten Kassa oder in sichrem,kurzem Ziele zu bezahlen. Besonders aber, wo es sich umExport handelt, ist die Zersplitterung des Verkaufes ein äufserstesHindernis. Der Fabrikant kann nicht die Moden in Au-stralien und Südamerika verfolgen, der ausländische Käufernicht von Fabrik zu Fabrik reisen.
Zweifelsohne sind in Deutschland heute Ansätze zur Aus-
1 Bericht S. 100 u. 101. Protokolle S. 51, 52, 75, 197, 206, 211,225, 292, 314, 413, 450, 499 u. s. w.
2 Prot. S. 434. Selbst die gröfsten Spinnereien verschleifsen.100—200 Pfund. S. 469. Viele Webereien gäben beliebiges Ellenmafs ab:.