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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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In Deutschland ist zweifelsohne in den letzten Jahrzehntendie Lebenshaltung der arbeitenden Klassen bedeutend fortge-schritten; es sind die Löhne gestiegen und die Arbeitsstundenverkürzt worden, ohne dafs eine Verteuerung der Stücklöhneangenommen zu werden braucht 1 . Beispielsweise betrug ineiner bayrischen Fabrik, für welche oben wiederholt Angaben9 gemacht wurden, der Durchschnittslohn in der Spinnerei 1886

2 M., 1890 2,12 M., in der Weberei 1886 2 M., 1890 2,22 M.,wobei gerade in der Weberei eine Herabsetzung der Stück-löhne möglich war, jedenfalls die Stücklöhne nirgends gestiegensind. Der durchschnittliche Jahresarbeitsverdienst betrug proArbeiter in der elsässischen Textilindustrie nach einer Angabe,die ich der Berufsgenossenschaft verdanke:

für die Jahre

1887 1888 1889 und 1890

589,13 Mk. 589,95 Mk. 601,85 Mk. 606,03 Mk.

s. Auch eine allmähliche Verkürzung der Arbeitszeit geht

zweifelsohne in Deutschland vor sich. 1868 betrug nach derEnquete die Arbeitszeit in Chemnitz noch 14 Stunden. Dabeiist das Produkt zumeist kein geringeres gewesen als früherin der längeren Arbeitszeit. Besonders bekannt ist dasschon von Brassey angeführte Beispiel von Dollfus, dessenSpinnerei in elfsttindiger Arbeitszeit ebensoviel produzierte

zahlreichen obigen Angaben. Sie werden aufserdem bestätigt durch dieAussagen der Schriftführer der englischen Spinner und Weber vor derLabour-Commission in den Sitzungen vom 28. Juni 1891 und vom10. Juli 1891. Die englischen Spinner verdienen, wie obige Beispielezeigen, oft 45 sb. und mehr die Woche.

1 Vgl. Bericht der Reichsenquete S. .30, 82. Stat. Beilage Heft II76, 80; für Elsafs speciell Protokolle S. 291, 296, 337, 376 u. a.; fernerfür Sachsen daselbst S. 98.