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wie früher in zwölfstündiger. Diese Erfahrung wiederholtesich in andern elsässischen Spinnereien 1 .
Karl Grad betonte vor der Enquetekommission denUnterschied zwischen Mülhausen und den kleineren Fabrik-orten der Vogesen. In den Vogesen betrage in den Baum-wollspinnereien der Durchschnittslohn 1,77 fr. pro Tag, inMülhausen dagegen bei kürzerer Arbeitszeit 2,31 fr. Diesaber würde dadurch ausgeglichen, dafs die Stadtarbeiter mehrleisteten. Wie August Dollfus nachgewiesen hat, sind dieProduktionskosten desselben Produktes in Mülhausen ge-ringer als im übrigen Elsass . Sie betragen für ein Kilo-gramm Garn von durchschnittlichem Feinheitsgrade dort 0,37fr. gegen 0,40 fr. in den Vogesen 2 . Zwischen Deutschland und England wiederholt sich im grofsen das Verhältniswie zwischen Mülhausen und den Vogesenthälern 3 .
Interessante Erfahrungen hinsichtlich der Arbeitszeit teilt derschweizerische Fabrikinspektor mit 4 . In der Schweiz wurde
1 Vgl. Protokolle zur Reichsenquete S. 375. Brassey, Work andWages II Edit. S. 121 und 143.
2 Vgl. Protokolle der Reicksenquete S. 376.
3 Ähnliches gilt von der Wirkerei; eine mir persönlich bekannteFirma verfertigt Gardinen in Nottingham, Schlesien und Ostreich.Die Fabriken in letzteren Orten verfertigen gewöhnliche Ware fürden heimischen Verbrauch. Exportwaren können mit Erfolg nur inEngland gemacht werden. Derselbe Gegensatz innerhalb Englands .Die Wirkerei hat heute Nottingham vielfach verlassen, um von denniederen Löhnen auf dem Lande Vorteil zu ziehen. Die feinstenWaren aber, welche die kostbarsten Maschinen erfordern, werden aus-schliefslick innerhalb des Nottinghamer „Gewerkvereinsringes" ge-fertigt, weil nur dort die genügende leistungsfähige Arbeit zu finden ist.
4 Vgl. Archiv für sociale Gesetzgebung, Bd. IV, Heft 1 S. 88 ff.S. 89 wird daselbst in Beziehung auf den Wochenlohn der Arbeiterausgesprochen, derselbe sei in England doppelt so hoch als in derSchweiz , trotzdem die Arbeit in der englischen Baum Wollindustriebilliger. Eingehende Begründung hierfür siehe oben.