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Produktionskosten in den Hintergrund treten. Die industrielleStärke Englands beruht heute nicht mehr in erster Linie aufjenen natürlichen Vorzügen, vielmehr auf der Thatsaclie, dafsdie englische Volkswirtschaft die technischen, kommerziellenund socialen Konsequenzen des modernen Grofsbetriebes amweitesten entwickelt hat, dafs sich hiermit beim Unternehmerwie beim Arbeiter auch am weitesten jene psychologischeUmwandlung vollzogen hat, die wir oben mit der Losreifsungvon der gewohnheitsmäfsigen Grundlage des älteren Gewerbe-wesens einsetzen sahen. Die innere Triebfeder der Entwick-lung war der Druck des Weltmarktes. Von diesem Gesichts-punkte allein wird die Thatsache verständlich, dafs heute inden gröfsten Stapelindustrien Anlage- wie Betriebskosten, Roh-stoffe wie Fabrikate in England am billigsten sind.
Wir verfolgen dies für die Baum Wollindustrie. Sowohl inder Spinnerei wie der Weberei sind zunächst die Anlage-kosten billiger als irgendwo in der Welt. Es beruht dies aufzweierlei. Einmal sind infolge der technischen Fortschritteund der kommerziellen Organisation fast sämtliche Erforder-nisse für die Inbetriebsetzung einer Fabrik in England billigerals in den übrigen Industrieländern. Hierzu kommt folgendes.Der englische Unternehmer hat bei Errichtung einer gewerb-lichen Anlage meistens mehr die Ausnutzung einer vorüber-gehenden Konjunktur als eine dauernde Kapitalanlage im Auge;er spart daher am fixen Kapital, um möglichst viel umlaufen-des Kapital für den Betrieb zur Verfügung zu haben. DieLebensdauer einer Spinnerei wird z. B. gewöhnlich auf nichtlänger als 20 Jahre berechnet.
Mit dem bezeichneten Grundsatz hängt zusammen, dafsder Grund und Boden für gewerbliche Anlagen in England meist nicht gekauft, sondern nur für längere Zeit ge-mietet wird. Schon hiermit verbieten sich alle mehr oder
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